Verlust meines Mannes

  • Hallo und guten Tag;(

    auch ich habe meinen geliebten Mann am 01.12.20 ganz plötzlich und unerwartet im Alter von 47 Jahren verloren. Ich bin oft so hoffnungslos, fühle mich leer und alles erscheint so sinnlos. Jeder Tag ist einfach nur noch ein Horror Tag und mit jeder Sekunde zerbricht mein Herz immer ein Stück mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Schmerz den ich empfinde irgendwann mal schwächer werden soll. Wie soll und kann man so einen Verlust je verkraften. Ich weiß nicht, wieviel ein Herz aushalten kann, aber meins hält nicht mehr viel aus. Ich würde so gerne, seine Stimme wieder hören, seine Blicke sehen, seine Umarmungen fühlen aber das alles wurde mir von einer auf die andere Sekunde genommen.


    Das Schicksal ist oft so grausam und ich werde nie mehr die Selbe sein und mein ganzes Leben auch nicht.

  • Liebe Ginko,


    zuerst einmal mein Beileid zu Deinem Verlust. :troest:


    mein Mann ist am 8.1.2020 trotz schwerer Krankheit ziemlich überraschend verstorben. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, aus der Schockstarre am Anfang bin ich irgendwann wieder raus gewesen. Den ersten Lockdown habe ich genutzt, um intensiv Trauerbücher zu lesen und zu verarbeiten, was da passiert war. Mir hat dieses Forum hier sehr geholfen, weil es seit letzten März hier weder eine Trauerbegleitung noch eine andere Hilfe gab. Auch die Selbsthilfegruppe, in die wir immer zusammen gegangen sind, durfte sich nicht mehr treffen. Hier habe ich Leute getroffen, die verstehen und nachvollziehen konnten, wie ich mich fühlte.


    Wieviele Berichte ich hier gelesen und zunehmend auch beantwortet habe, kann ich Dir nicht sagen. Die vielen, vielen Erfahrungsberichte haben mir aber Hoffnung auf Besserung gemacht und mir den Mut gemacht, das neue Leben anzunehmen, in das ich gestoßen wurde.


    Und dann habe ich gemerkt, wie sich die Trauer ganz allmählich verändert hat und es ganz langsam leichter wurde. Heute habe ich bis auf den Jahrestag der Beisetzung am 1.2. alle schweren Gedenktage einmal überstanden und in den meisten Fällen auch gut überstanden. Momentan macht mir natürlich auch der Lockdown zu schaffen, ich bin hier ganz alleine im Haus und arbeite auch von daheim aus. Nicht schwimmen gehen zu können, ist für mich wirklich schlimm, weil ich die Verspannungen in den Schultern und am Rücken nicht mehr los werde. Derzeit halte ich mich seelisch gerade so über Wasser, dank der lieben Leute hier.


    Fast ein Jahr lang habe ich mir hier allen Schmerz von der Seele geschrieben und der Beistand hier ist einfach super. Vielleicht wäre das auch eine Idee für Dich. Wenn Du magst, melde Dich hier an und schreibe Deinen Beitrag. Du wirst hier immer ein offenes Ohr finden und auch Verständnis für Deine Situation.


    Heute ist es um mich herum wieder heller geworden, klar kommen immer noch oft genug die Tränen, aber sie gehen auch immer schneller wieder vorbei. Trauer kommt meist wellenförmig und bei mir werden diese Wellen langsam etwas niedriger.


    Ich schicke Dir eine Umarmung, wenn ich darf und liebe Grüße

    Doris

  • Liebe Ginko, mein herzliches Mitgefuehl. So wie es Dir leider jetzt geht - das kenne ich sehr gut aus der ersten Zeit nachdem mein Bruder ueberraschend gestorben war. Ich sende Dir eine sanfte Umarmung, wenn Du magst.


    Es wurde bei mir irgendwann besser. Trauerschmerzen sind sehr sehr schlimme Schmerzen. Hier im Forum wirst Du Menschen finden, welche den Trauerweg gehen muessen oder mussten und welche Dir mitfuehlend zur Seite stehen werden.


    Ambika

  • Vielen lieben Dank für die lieben Worte von euch.

    Ich hoffe das ich irgendwann lerne mit meinem Schmerz um zu gehen. Mein Herz ist komplett kaputt und ein Herz kann man leider nicht reparieren. Mein Mann fehlt mir so unendlich. 20 Jahre Seite an Seite, Tag ein Tag aus und auf einmal puff wie eine Seifenblase alles vorbei. Wie soll man sowas bloß verkraften. Ich weiß es echt nicht.;(;(;(


    lg

  • Liebe Ginko, Roland Kachler hat geschrieben in “Meine Trauer wird Dich finden”, dass auch bei allem Schmerz und Trauma ein archaischer Lebensinstinkt in uns ist, der uns zum Ueberleben und neu Anfangen hinuebertraegt. Mit dem Schmerz umzugehen ist ein Ziel das Du bestimmt erreichen wirst. Jetzt ist das Ueberstehen der ersten schlimmen Zeit nach dem schockierenden Verlust und des ersten Trauerjahres wichtig. Jeden Moment ertragen, mehr brauchst Du im Moment nicht zu fordern. Roland Kachler hat mir sehr geholfen. Gibt es bei Euch einen Hospizverein?

    Ambika

  • Liebe Ginko, erst einmal schicke ich Dir einen leisen Gruß!

    Mein Mann ist jetzt 19 Monate tot und ich kann Dir nicht sagen, wie es anders geworden ist. Die ersten Monate ging es mir so wie Dir. Nach und nach wurde aber der Schmerz erträglicher. Das heißt keinesfalls, dass er weg ist. Aber wie Doris es geschrieben hat, die Wellen wurden niedriger. Ich habe auch gelernt, dass dieser Schmerz auch wieder geht. Er kommt zwar wieder, aber ich habe nicht mehr das Gefühl er ist permanent gleich (unaushaltbar) groß. Denn die erste Zeit kam es mir so vor. Es vergeht auch kein Tag, an dem ich nicht an meinen Mann denke. Nur die Frage nach dem "Warum" stellt sich mir nur noch seltenst.


    Wieviele Berichte ich hier gelesen und zunehmend auch beantwortet habe, kann ich Dir nicht sagen. Die vielen, vielen Erfahrungsberichte haben mir aber Hoffnung auf Besserung gemacht und mir den Mut gemacht, das neue Leben anzunehmen, in das ich gestoßen wurde.

    So wie Doris hat hier das Forum mir sehr geholfen, mit dem neuen und so anderem Leben klar zu kommen. Sie haben mir manchesmal aus einem Trauerloch heraus geholfen. Ich konnte lesen und auch entdecken, es geht weiter - halt anders.

    Wünsche Dir viel Kraft für diese herausfordernden Tage und Wochen/ Monate

    Christine

  • Ich kann mich nochmal nur bei euch allen bedanken.

    Also ich habe mir ein Therapeutin zu Hilfe geholt, sie tut mir sehr gut.

    Ich habe keine Kinder und an manchen Tagen/Nächte bin ich einfach nur am heulen. Ich weiss nicht, ob das bei euch auch so war aber manchmal kommen so extreme Heul-Attacken die ich fast gar nicht kontrollieren kann. Morgen sind es genau 7 Wochen, seit ich meinen geliebten Mann nicht mehr bei mir habe.

    Mir fehlt einfach alles so sehr: Meine Familie und Freunde sagen alle, ich wäre nicht allein, aber im Grunde genommen bin ich allein. Ich esse allein, ich sitze allein am Tisch, ich liege/sitze allein auf der Couch, ich liege allein im Bett usw... ihr wisst ja von was ich spreche...

    Ab welchem Zeitpunkt seid ihr den wieder in euer Arbeitsleben eingestiegen? Also ich fühle mich noch gar nicht in der Lage wieder in mein Berufsleben zurück zu kehren, obwohl ich meinen Job echt liebe.


    lg

  • Liebe Ginko............ich möchte dir auch mein tiefes Mitgefühl aussprechen. Ich kann all das was du schreibst sehr gut nachvollziehen. Mein Mann ist am 19.06.2020 gestorben. So habe ich es auch erlebt. All die Gedanken und die Heulphasen hatte ich auch. Manchmal denke ich, dass es etwas leichter wird, aber dann kommt auch meistens schon wieder die nächste Trauerwelle.

    Meine Familie und Freunde haben sich in den ersten Monaten sehr um mich gekümmert. Trotzdem fühlte ich mich einsam. Ich war einsam unter Menschen.

    Mir hat das Schreiben und Lesen hier sehr geholfen. Ich führe ein Trauertagebuch, schreibe Briefe an meinen Mann und habe auch viele "Trauerbücher" gelesen, die mir auch weitergeholfen haben. Ich konnte erkennen, dass ich nicht verrückt bin mit all meinen Gefühlen und Emotionen, dass andere in einer solchen Lage genauso empfinden.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Geduld!

  • ich habe nicht gearbeitet, weil ich meinen Mann gepflegt habe...In meinen Beruf als Erzieherin werde ich nicht mehr einsteigen, dafür hab ich die Nerven nicht mehr....aber ein Minijob wäre mein Ziel, eine kleine, nicht anspruchsvolle Tätigkeit, unter Leuten und andere Gedanken...

    Mit Trauerbegleiterinnen hab ich nicht so gute Erfahrungen gemacht....die eine konnte mit frischer Trauer nicht umgehen, die andere war sehr unzuverlässig mit Terminen....auf Rückrufe vom Hospiz hab ich auch oft vergeblich gewartet.....aber ich bleibe trotzdem dran, weil ich einfach Hilfe benötige, Gespräche und Spaziergänge....

  • Ich wollte einmal ein neues Trauerforum besuchen. Auch noch nach 21 Monaten treuere ich sehr stark um meine Lebenpartnerin, mit der ich 24 Jahre und 1 Woche zusammengelebt habe, als sie damals im Mai 2019 beim Gehen an meiner Hand durch Herzblitztod für immer verloren habe - ohne ein Lebewohl ganz plötzlich. Zwar wurde sie mit RTW ins Klinikum gebracht und dort an der Herz-Lungenmaschine reanimiert, Kreislauf wurde sogar stabilisiert. Aber nach 1 Woche ITS verstarb sie an einem schweren Hirnschaden verursacht durch ein sich ausbreitendes Ödem. Ich selbst mache mir immer noch schwere Vorwürfe:


    1.Ich hätte sie mit Atmungsproblemen bei ihrer Erkältung nicht zu Fuss zum Auto laufen lassen dürfen sondern hätte das Auto vom Parkplatz holen und sie vor der Haustür abholen müssen.


    2.Mein zaghaftes Verhalten, als sie am Boden lag nur an einen Stoplersturz zu glauben statt sofort zügig die Rettung zu verständigen.


    3.Dass ich sie mit meinem Grippevirus angesteckt hatte, ohne den sie nie die Atmungsprobleme bekommen hätte.


    Auch noch nach 21 Monaten bin ich ruhelos, ratlos und mein Leben es fühlt sich leer und sinnlos ohne diesen liebgewordenen Menschen an, eine fröhliche, hilsbereite, mir in den alltäglichen Lebensaufgaben Kraft und Inhalt gebende Frau. Ohne sie ist mein Leben so leer und vor allem freudlos geworden und deshalb brauche ich wieder mal ein Forum zum Austausch meiner traurigen Gefühle mit anderen Trauernden. Wer hat ähnliches wie ich erlebt und seinen liebsten Menschen auf so tragische Weise für immer auf Erden verloren ?

  • Auch ich fühle mich auch noch nach 21 Monaten nach dem tragischen Herz-Blitztod meiner 24jahrelangen Lebensliebe leer und sinnlos und wünsche mir jeden Tag meine liebe Partnerin zurück. Ich kann Dich sehr gut verstehen. Auch meine Partnerin sie wurde nur 53 Jahre alt.

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    Hier handelt es sich um ein Trauer-Austausch-Thema.
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