Verlust durch Suizid – Partner verloren

Verlust durch Suizid - Partner verloren

Ja, das stimmt, das Thema Suizid ist ein sehr schwieriges Thema!


Ich war leider vor 29 Jahren Augenzeuge eines Selbstmords!


Meine „Große Liebe *F.*“, um nicht zu sagen, mein „Traummann“ hat sich vor meinen Augen erschossen!

Wo fängt man da am besten an?


Ich war 19 und er knapp 27 Jahre alt. Ich lernte ihn durch meine Schwester kennen und lieben. Er ist bei meiner Schwester für ein paar Tage untergekommen, weil er sich gerade von seiner Ex-Freundin getrennt hat, mit der er eine kleine Tochter hatte. Der Streit war so heftig, dass sie ihm verbot, seine Tochter zu sehen. Er war „nur“ der popelige Erzeuger!


Jedenfalls hatte meine Schwester eine Party gegeben, wo wir uns kennenlernten und näher gekommen sind. Wir waren sooo verliebt, dass er kurz darauf zu mir, in meine Wohnung zog.


Es war eine super Zeit (2 Jahre) mit ihm, ich war so glücklich und verliebt. Das schönste war, dass ich es geschafft hatte, dass er seine Tochter wiedersehen konnte. Wir durften sie sogar ab und zu übers Wochenende haben. Er war so ein stolzer Papa. Es hätte alles so perfekt sein können. Wir hatten uns verlobt und standen 4 Wochen vor der Hochzeit, als dieser verfl…. Tag kam.




Er hätte ins Krankenhaus gesollt, wo man ihm 1 Jahr vorher Nägel in seinem Finger fixiert hatte (war mehrmals gebrochen), die sollten wieder entfernt werden. Na, jedenfalls war es ein ganz normaler Tag_ ( für mich jedenfalls!) Ich ging zur Arbeit und er ins Krankenhaus.


Abends, als ich von der Arbeit kam, bekam ich einen Anruf von * F.* Er ist nicht im Krankenhaus, man hat ihn nach Hause geschickt, weil kein Bett frei wäre. Er soll eine Woche später kommen. Er fragte mich, ob ich zu unserer Stammkneipe komme, wo er jetzt gerade war.


Ok, ich dort hin und fand ihn schon ziemlich angetrunken. Er nahm mich in den Arm und fing an zu weinen. Ich fragte, was los ist und er erzählte mir, dass er seine Tochter nie wieder sehen wird.trauerredaktion11

Seine Ex hatte einen Ausländer geheiratet, mit dem sie jetzt auswandern wird. Für * F.* ist eine Welt zusammen gebrochen, denn er liebte seine Tochter über alles.


Stunden sind vergangen und er hatte immer weiter getrunken. Zwischendurch ist er mal raus und sagte er komme gleich wieder. Es hatte vielleicht 20 Minuten gedauert, bis er wieder da war. Habe mir nichts dabei gedacht. Dachte vielleicht ist er ja kurz nach Hause um irgendwas zu holen. Wir wohnten ja gleich um die Ecke. Auf meine Frage hin, gab er mir keine Antwort.


Er trank einfach weiter und wurde immer aggressiver. Gegen 1.30 Uhr machte der Wirt Feierabend und ich hatte zu tun *F.* nach Hause zu bekommen.


Er wurde so aggressiv und wütend, dass er seine Tasche vom Krankenhaus auf die Strasse schmiss, so dass alle seine Sachen raus gefallen sind. Ich hin und wieder alles aufgesammelt und versucht ihn zu beruhigen. Ich sagte immer, komm gehen wir ins Bett und reden morgen in aller Ruhe darüber. Immer und immer wieder. Aber ich konnte ihn nicht beruhigen.


Zu Hause angekommen, gingen wir ins Wohnzimmer. Er setzte sich auf die Couch und ich daneben. Er schimpfte und fluchte weiter. Auf einmal ging alles ganz schnell. Er zog von hinten aus seiner Jeans eine Pistole raus, setzte sie an die Stirn und drückte ab. Er war sofort tot. Ich war wie gelähmt und dachte, ich bin im falschen Film!


Trotz dem Schock, war ich noch so geistesgegenwärtig, dass ich sofort die Polizei und Feuerwehr alarmierte. Als die Polizei gekommen ist, haben sie mich mitgenommen und 8 Stunden lang verhört. Immer und immer die gleichen Fragen. Bis endlich geklärt wurde, dass es Selbstmord ist/war. (Ich hätte es ja gewesen sein können).


Zu *F.* muss ich noch erwähnen, dass er als 7-jähriger ansehen musste, wie sein Vater sich aus der 4. Etage in den Tod gestürzt hatte. Sein Vater war erst 29 Jahre alt. * F.* hat bzw. war der Meinung, er wird auch nur 29 Jahre alt. Niemand hatte ihn damals für voll genommen und es als Spinnerei abgetan!


Tja, alle wurden eines besseren belehrt. Er starb mit 29 Jahren!

Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen. Wie ich alles verarbeitet habe, weiß ich nicht! 2 Selbstmordversuche, 3 Monate Klinikaufenthalt und das Leben ging einfach weiter!!! Noch heute schmerzt sein Tod!!! Vergessen werde ich es nie!!!


Eines bin ich mir zu 100% sicher, wäre der Alkohol nicht gewesen und er hätte nur drei Sekunden länger überlegt, könnte er heute noch leben!


P.S. Die 20 Minuten, die er weg war, hat er sich die Pistole geholt!!!



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    Kommentare 4

    • Hallo ihr Lieben!

      Jedesmal,wenn mich die Trauer um meine Mutter überkommt(starb im Okt.17),lese ich im Forum,um zu erkennen,dass der Tod allgegenwärtig ist und wir ihm hilflos ausgeliefert sind.

      Allen die gerade die Hölle durchleben,möchte ganz fest in den Arm nehmen.Es gibt wenig Trost in so einer Zeit.

      Alles wird gut,aber nicht mehr wie es war.

    • Es ist zum einen so schrecklich diese Geschichten zu lesen und zum anderen tut es auch irgendwie gut, zu wissen, dass es anderen auch ähnlich erging/ergeht.


      Meine Mutter hat sich vor 1 1/2 Monaten das Leben genommen. Sie war alles für mich.Sie ist alles für mich. Wir hatten ein echt unglaublich gutes verhältnis.


      man muss dazu sagen, dass ich erst 18 Jahre alt bin und noch mit meinen Eltern zusammen lebe/lebte. Ich bin Einzelkind und hing sehr an meiner Mutter. Zu meinem Vater hatte ich nie einen sonderlich starken Draht.


      Meine Mutter erhängte sich nach langem Leid in unserm Badezimmer. Einen Tag vor meiner Abitur-Verleihung. Und ich fand sie nach dem Abstreich befestigt an der Heizung. Die Tür war abgeschlossen, doch durch ein oberes Badezimmerfenster konnte ich sie entdecken und bin trotz dem riesenschock noch schnell zum Telefon und habe die Feuerwehr angerufen. Diese konnte nichts mehr für meine doch so tolle Mutter tun. Sie war so ein liebenswürdiger Mensch. Hat zum Schluss jedoch alle anderen hochgeredet und sich selber immer schlechter gemacht. Morgen findet ihre Beerdigung statt und ich habe keine Ahnung wie ich das überleben soll.


      Man muss versuchen nach vorne zu blicken… ich weiß. aber das ist manchmal gar nicht so einfach

    • Hallo zusammen!


      Eure Schicksalsschläge berühren mich sehr und ich leide in Gedanken mit Euch.


      Auch ich musste leider einen geliebten Menschen gehen lassen. Bei mir handelt es sich um meinen Sohn. Er ist vor etwas mehr als eineinhalb Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Damals war er fünfundzwanzig Jahre alt. Wir, das heisst meine ältere Tochter, mein Mann und ich haben ihn gefunden, Nachdem wir ihn über längere Zeit nicht erreicht hatten, und uns grosse Sorgen um ihn gemacht hatten, sind wir nachschauen gegangen. Er wohnte mit einem Freund zusammen in einem kleinen Haus. Der Freund war zu dieser Zeit für einige Tage verreist.


      Dem Suizid unseres Sohnes sind Monate voller Sorgen vorausgegangen. Er war diesem Leben einfach nicht gewachsen. Immer wieder wurde er von Menschen enttäuscht und ausgenutzt. Und weil er extrem sensibel war, sind ihm diese Enttäuschungen immer sehr nahe gegangen. Er selber war extrem lieb und hilfsbereit.


      Ich habe jahrelang versucht, meinen Sohn zu unterstützen so gut ich konnte. Es ist so schwierig, wenn man zusehen muss, wie die Kräfte eines geliebten Menschen immer weniger werden. Im Nachhinein weiss ich, dass es ihm dann, als er den Entschluss gefasst hatte, aus dem Leben zu scheiden, wieder besser ging. Ich habe meinen Sohn immer gespürt. Schon als er klein war, spürte ich ganz genau, wenn ihn etwas sehr beschäftigte oder traurig machte. Das hat sich bis zu seinem Tod nicht geändert. Es ist auch heute noch so, dass ich meinen geliebten Sohn spüre. Er ist oft bei mir und hilft mir und all seinen Lieben mit dem neuen Leben, das wir jetzt ohne ihn führen müssen, umzugehn. Es ist nicht einfach. Nichts ist mehr so, wie es war. Wenn ein eigenes Kind stirbt, stirbt ein Stück der Mutter mit ihm. Ein Stück von mir ist mit ihm mit gegangen.


      Mein Mann hat mich in der Zwischenzeit verlassen. Er wohnt jetzt mit meiner ehemals allerallerbesten und liebsten Freundin zusammen. Ich habe also auch noch meinen Mann und meine liebste Freundin verloren.


      Ich erwarte nichts mehr für mich selbst von diesem Leben. Ich will einfach mein Bestes geben hier auf Erden. Ich will für meine beiden allerliebsten Töchter und für meine drei (bald vier!) allerliebsten Enkelkinder da sein. Sie sollen ein gutes und glückliches Leben haben. Dafür setze ich mich ein wie eine Löwin. Wenn sie glücklich sind, dann bin ich es auch. Um meinen Sohn muss ich mir jetzt keine Sorgen mehr machen. Ihm geht es gut. Und es macht mich glücklich, das zu spüren. Aber ich vermisse ihn hier bei uns bei jedem Atemzug. Meine ersten Gedanken am Morgen und meine letzten Gedanken am Abend gelten meinem geliebten Sohn, der hier in diesem Leben nicht glücklich sein konnte. Das tut mir extrem weh. Aber in seinem neuen Leben hat er seinen Frieden gefunden.


      Ich wünsche Euch allen, dass auch Ihr mit Eurem Schicksal umzugehen wisst, auch wenn die Verzweiflung und das Vermissen manchmal übermächtig zu werden drohen! Ich kenne ein gutes Lied von Andreas Bourani. Es heisst „Hey“ und handelt genau von diesen Situationen. Eine Textpassage daraus heisst „komm nicht auch Scherben zu stehn!“ Immer weitergehn, denn auf Scherben stehn tut weh.


      In diesem Sinne grüsse ich Euch herzlich!!


      R.

    • Hallo,

      es tut mir sehr Leid, dass du das erleben musstest. Ich kann mir nicht vorstellen wie viel Kraft man braucht um das alles zu überstehen, und dafür bewundere ich dich.

      Ich musste leider eine ähnliche Erfahrung machen.

      Morgen ist es genau 4 Wochen her, dass sich mein Mann selbst erschossen hat. Er hat es zwar alles so organisiert, dass ich nicht dabei war und auch keine Gelegenheit hatte ihn selbst aufzufinden, aber ansonsten ist seine Geschichte ziemlich ähnlich: Er hatte grosse Probleme mit der Mutter seines jüngeren Sohnes, den er kaum noch sehen durfte und hat sehr darunter gelitten. Schon zuvor war er durch seine schlimme Scheidung (durch alle Instanzen hat sie ihn durch „den Dreck“ gezogen) enorm belastet.

      Er hat seinen Tod sehr gut vorbereitet, ein Testament verfasst und an alle Eventualitäten gedacht, dennoch glaube ich, dass es an diesem Abend ein spontaner Entschluss war, dass er es jetzt durchzieht. Er hatte an diesem Tag eine Grippe, Medikamente genommen und eine halbe Flasche Cognac getrunken. Und dann hat er es getan.

      Eigentlich hätte ich an diesem Abend bei ihm sein sollen, hätte mein Auto nicht länger gebraucht in der Werkstatt, wäre er nicht alleine gewesen. Vielleicht wäre er jetzt noch bei mir wenn ich nur da gewesen wäre.