Mein Bruder ist gestorben

  • Hallo,

    zur Vorgeschichte

    Mein Bruder war schwer Krebskrank gestern ist er gestorben.

    Er war die letzten 3 Wochen im Krankenhaus auf der Palliativ Station.Zum Schluss war es so schlimm das wir uns mit den Ärzten auf Palliative Sedierung entschieden haben.

    Mein Bruder war immer so unruhig nervös wollte immer aufstehen wenn er klar war hatte er so Angst.

    Ich habe mich mit meinem anderen Bruder wir sind 3 Brüder immer jede zweite Nacht gewechselt um bei ihm zu sein.Das war so schwer auch für meinen anderen Bruder.

    Nun am Donnerstag war ich und die gesamte Familie um 14 Uhr im Krankenhaus um mehr oder weniger Abschied zu nehmen.Um 16 Uhr begann die Sedierung und ich blieb bei ihm.

    Es war so schlimm das hätte ich nie gedacht mein Bruder hat sich noch 16 Stunden geplagt ich bin die ganze Zeit bei ihm geblieben.

    Wir haben Musik gehört Ich habe mit ihm geredet ihn gestreichelt ihm immer gesagt das alles o.k. ist hab ihn aufgedeckt wenn ich dachte ihm ist warm und zugedeckt wenn ich dachte ihm ist kalt.

    Er hat so so schwer geatmet während der Sedierung Die Schwester sagte das hört sich für Angehörige immer so schlimm an er würde aber nichts spüren.

    Ich durfte ihm auch nichts zu trinken geben.

    Er hatte dann so stark aus der Nase und dem Mund Schaumig es Dunkles Sekret ausgeschieden ich habe ihm das immer so gut wie möglich entfernt und habe auch immer gesagt was ich mache aber ich denke das hat ihm auch weh getan ich mache mir solche Vorwürfe.

    Ich wollte ihm doch helfen und habe ihm weh getan.

    Um 7.40 begann er dann immer immer komischer zu atmen und ich sagte zu ihm jetzt hast du es gleich scheiß drauf Ich halte dir das Licht und gest einfach den Weg entlang da ist dann auch Papa

    Dann hat er so nach Luft geschnappt Ich hätte einen Doktor rufen müssen aber ich habe nichts getan ich habe nur seine Hand gehalten und blödsinn geredet.

    Als er nicht mehr geatmet hat konnte ich mich nicht bewegenHabe einfach weiter seine Hand gehalten.

    Irgendwann kam eine Schwester und sagte mein Bruder sei gegangen.

    Ich mache mir so schwere Vorwürfe ich hätte bestimmt mehr und besseres tun können warum habe ich kein Doktor gerufen die Klingel war über dem Bett.

    Dann habe ich jetzt auch noch Die gesamte Familie angelogen und erzählt er sei ganz lieb eingeschlafen dabei habe ich alles schlecht gemacht.

    Ich bin eigentlich ein gestandener Mann fest im Leben.

    Das ist aber zu viel ich Heule mir die Seele aus dem Leib.

    Ich wollte es gut machen und denke ich habe alles schlecht gemacht.


    Danke dasdu Leser mir deine Aufmerksamkeit geschenkt hast!

  • Lieber Markus,


    du hast nichts "schlecht" gemacht. Du hast deinen Bruder liebevoll bis zum Ende begleitet, das ist sehr, sehr viel. Dass du dich jetzt mit Schuldgefühlen plagst, ist bei vielen Hinterbliebenen so. Es gibt immer irgendetwas, das man vielleicht anders oder besser hätte machen können. Zudem sind die wenigsten von uns mit dem Sterbeprozess vertraut, und das, was uns schlimm erscheint, von dem bekommt der Sterbende vermutlich gar nicht mehr so viel mit. Aber du hast deinem Bruder tapfer beigestanden, und das allein finde ich bewundernswert. Es hat sicher eine Menge Mut erfordert. Vielleicht solltest du aber die Last des nicht so friedlichen Endes mit irgendjemandem, dem du vertraust, teilen. Es muss ja nicht deine Familie sein. So etwas allein zu tragen tut nicht gut. Und egal, wie fest man sonst im Leben steht, wenn ein geliebter Mensch geht, dann tut das unsäglich weh und die Welt ist nicht mehr das, was sie zuvor war. Weine, schreie, tue, wonach dir gerade ist. Ich wünsche dir mitfühlende Menschen, die dich auffangen können.

    Liebe Grüße

  • Lieber Markus,

    ich habe mehrere Menschen in meinen Leben in den Tod begleitet.


    Nicht jeder "schläft" direkt friedlich ein, manche Menschen kämpfen bis zu Schluss und können nicht so einfach loslassen, in unseren Augen, aber es ist nicht wirklich so, den der Sterbeprozess ist komplex, vor allen wenn der Mensch ein sehr starkes Herz hat. Das wichtigste ist, dass Du bei ihm warst.


    Bei der Sedierung spüren die Patienten meist keine Schmerzen, es ist auch "normal", das die Atmung schwerer wird und manchmal hört sich die Atmung nach "brodeln, rascheln" an, weil sie den Schleim nicht abhusten können oder schlucken, kann es auch vorkommen, dass dieser aus den Mund läuft. deswegen kann man auch in der letzte Phase wenn der Patient nicht bei Bewusstsein ist was zum trinken verabreichen.


    Schade, dass Dich die Ärzte drüber nicht aufgeklärt haben, was auf Dich zukommt.


    Viele Angehörige erschrecken, wenn sie bei Sterbenden in den letzten Stunden oder Tagen ein lautes, rasselndes Atemgeräusch hören. Dieses wird oft als „Todesrasseln“ bezeichnet, medizinisch spricht man von Rasselatmung.


    Sie entsteht dadurch, dass Sterbende das Schlucken kaum noch kontrollieren können. Speichel oder Flüssigkeit sammelt sich im Rachen- und Bronchialbereich und kann nicht mehr abgehustet werden. Wenn die Luft daran vorbeiströmt, entstehen diese rasselnden oder gurgelnden Geräusche. Auch läuft die Flüssigkeit aus den Mund raus, was vollkommen normal ist.


    Für die sterbende Person selbst ist diese Atmung in aller Regel nicht mit Schmerzen oder Atemnot verbunden. Die Betroffenen sind meist bewusstseinsgetrübt oder gar nicht mehr bei Bewusstsein.


    Für die Angehörigen wirkt das Geräusch oft belastender, als es für den Sterbenden tatsächlich ist.


    Pfleger oder Ärzte können manchmal durch Lagerung, Absaugen oder Medikamente Linderung verschaffen. Obwohl das Absaugen sehr schlimm aussieht, da sollte man als Angehöriger den Raum verlassen. Ich habe es aber bei keinen der Sterbenden selbst zugelassen. Weil ich weiß, dass das was wir wahrnehmen für die Person die gehen muss nicht schlimm ist.


    Die schwere Atmung zeigt, dass der Körper sich immer weiter zurückzieht und die letzten Funktionen nach und nach erlöschen. Sie ist ein typisches Zeichen, dass das Lebensende sehr nahe ist.


    So schwer es ist, dieses Geräusch bedeutet nicht, dass der Sterbende leidet, sondern dass er sich auf seine letzte Reise vorbereitet. Für Angehörige ist es hilfreich, diese Information zu kennen, um die Situation besser zu verstehen und Ruhe zu bewahren. Dafür sind eigentlich die Ärzte da, um es zu erklären.


    Glaube mir, Du hast ihn nicht weh getan, eher im Gegenteil, Du warst für ihn da bis zur letzter Sekunde.


    Auch wenn Du einen Arzt gerufen hättest, hätten sie vielleicht bisschen Medikamente nachgespritzt, aber er wäre trotzdem vorausgegangen. Es ist schwer zuzusehen, wie ein Mensch, den man sehr liebt stirbt.


    Ich würde Dich bitten, auch wenn Du Dich stark fühlst, es mit Dir nicht selbst auszumachen sondern Austausch zu suchen, damit Du auch verstehst, dass Du nichts falsch und vor allen ihn in den Moment nicht helfen konntest.


    Beim ersten Mal war es auch für mich, obwohl ich wusste, was auf mich zukommt traumatisch, auch bei letzter Begleitung war es sehr schwer gewesen, aber es gibt oft keinen anderen Weg als die Sedierung und diese hat ihn sehr viel Angst genommen.


    Irgendwann werden auch diese Bilder verblassen, aber am Anfang ist es normal, dass diese letzte Momente so sich ins Gehirn brennen. Du hast für deinen Bruder alles getan, was Du tun konntest, Du warst bei ihm am Bett und hast seine Hand festgehalten.


    Ich wünsche Dir viel Kraft, auch wir haben hier ein offenes Ohr für Dich!


    Leisen Gruß

    Marek Jan

  • Lieber Markus,


    mein aufrichtiges Beileid zum Verlust deines geliebten Bruders. Es ist schwer jemanden bis zum Tod zu begleiten. Noch schwerer, wenn es jemand ist den man liebt.

    Marek Jan hat es so gut beschrieben. Ich möchte dir auch noch mal in aller Deutlichkeit sagen: Du hast deinem Bruder nicht weh getan!

    Und: Es hätte nichts genützt, wenn du nochmals einen Arzt gerufen hättest. Im Gegenteil, dadurch wäre nochmal viel Unruhe entstanden. So hast du deinem Bruder ermöglicht, mit dir, einer vertrauten Person, an der Seite gehen zu dürfen. Das ist das größte Geschenk was du ihm hast geben können.

    Ich habe meinen Mann in der gleichen Situation, auch Krebs und am Ende Sedierung, begleitet. Ich weiß wie furchtbar schwer das ist. Und ich kenne auch die Gefühle während dieser Zeit. Dieses Schwanken zwischen "Jetzt geh doch endlich, damit deine Qual vorbei ist " und "Bitte, bitte bleib bei mir "

    Ich vergesse nie, wie ich zu ihm gesagt habe, dass er gehen darf, wenn er das Licht sieht, während in mir drin alles geschrien hat " lass mich nicht allein ". Aber ich habe es für ihn getan.

    Genau so hast du es für deinen Bruder getan. Er muss jetzt nicht mehr leiden. Und er durfte spüren, dass du da warst. Etwas schöneres hättest du für ihn nicht tun können. Mach dir bitte keine Vorwürfe mehr. Du bist nicht weggegangen als es unerträglich wurde. Du bist geblieben. Darauf kannst du stolz sein.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für diese schwere Zeit.


    Liebe mitfühlende Grüße

    Manuela

  • Lieber Markus,

    Mein aufrichtiges Beileid!!

    Auch ich habe meinen geliebten Mann im Endstadium Krebs bis zuletzt begleitet, am Ende auf seinen Wunsch mit palliativer Sedierung.

    Ich war die Wochen vorher Zuhause und die letzte Woche auf der Palliativstation 24 Stunden an seiner Seite, die ersten 15 Stunden der Sedierung waren einfach nur schrecklich!! Von "friedlich" keine Spur, er war unruhig und von außen betrachtet schien er sich zu quälen und dagegen anzukämpfen..... Ich habe furchtbar gelitten und konnte bis heute auch noch niemanden davon erzählen....

    Ich habe mir genau dieselben Fragen gestellt und Vorwürfe gemacht, ob ich irgendwo Fehler gemacht habe. Ich glaube heute, dass es von außen betrachtet ganz anders wirkt, als der Betroffene tatsächlich fühlt. Ich glaube der Abschied aus dem Leben hat andere Maßstäbe als wir "Lebenden" uns vorstellen können.

    Marek hat Recht: es sollte der Job der Ärzte sein, die Angehörigen GUT UND UMFASSEND aufzuklären und denen, die an der Seite ihrer Lieben ausharren, beizustehen.

    Die Realität sieht oft anders aus.

    Alles Liebe und sei versichert: Das hast Du gut gemacht!

    Dagmar

  • Vielen Danke für eure Worte,es ist ein wenig ein Trost euer Zuspruch.

    Ich war einfach nicht auf dieses blubbern beim Atmen vorbereitet. Es hieß immer friedlich keine Schmerzen,da rechnet man nicht mit so etwas.

    Und ja es stimmt es vergeht Stunde um Stunde und man schwankt zwischen bleib hier und gehe deinen Weg zu Ende.


    Ich bin so froh das ich verweigert habe im noch einen Katheter zu legen.Das war sein schlimmster Alptraum,da er zu Beginn seiner Erkrankung fast 9Monate einen Katheter hatte.

    Ich sagte zur Not Wechsel ich ihn die Windel aber kein Katheter.


    Als er noch einigermaßen klar war konnten wir uns auch noch unterhalten wie er sich seine Beerdigung vorstellt und genau so soll sie auch werden.


    Im hätte auch vor der Einäscherung eine Apfelsinenkiste gereicht ich habe ihn aber um gestimmt das er besser den billigsten Sarg nimmt, da haben wir dann noch gelacht.

    Oh dieses schelmische kindliche Lachen fehlt mir.

    Er war der Meinung das Geld was wir am Sarg sparen sollen wir besser nach seiner Beisetzung auf den Kopf hauen.


    Ja so war er es fühlt sich so unwirklich an "war" zu schreiben.


    Ich danke euch

  • Ich möchte an dieser Stelle mal allen danken, die hier so offen über ihre Erfahrung beim Sterben eines geliebten Menschen berichtet haben. Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, die meisten wollen es wohl auch gar nicht wissen. Aber durch den plötzlichen Tod meines Mannes habe ich gelernt, wie schnell es gehen kann. Und ich möchte die, die mir vielleicht diesen letzten Liebesdienst erweisen, mich am Ende meines Lebens zu begleiten, gut informiert wissen.

    Außerdem möchte ich auch auf die Möglichkeit hinweisen, wenn das Ende absehbar ist, sich eine Sterbebegleitung zu suchen. Die ist auch für die Angehörigen da und kann vielleicht auch manche Angst und manches Schuldgefühl nehmen.

    Liebe Grüße

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