Es wird nix mehr gut!

  • Ich bin Mutter und darf es nun nicht mehr sein. Seit 19 Monden ist mein geliebtes Kind nicht mehr am Leben. Herausgerissen aus einem vollen Leben und aus seinen und meinen, unseren, Zukunftsplänen. Weiter aufsteigen, die Freundin heiraten, Kinder bekommen, glücklich sein. Alles zunichte von einer Sekunde auf die andere. Dieser einzigartige Mensch, er, der allen nur Sonne ins Herz gezaubert hat, mußte gehen. Und hatte doch noch so viel vor. So viel beizutragen, die Welt ein wenig reicher und wärmer zu machen. Viel meiner Aufmerksamkeit habe ich auf dieses Kind verwendet; wollte immer da sein, wenn er mich braucht. Wollte beiden immer hilfreich sein, wenn sie es denn wünschten. Was immer ich den Tag über auch getan habe, er saß, wie ich es einmal bildlich festhielt, mit auf meiner Schulter. Und immer waren wir in irgendeiner Form in Kontakt. Und dann verunglückt er und wir merken es alle nicht! Ich habe immer gedacht, ich würde es spüren, wenn so etwas passiert. Es gab zwar einige seltsame Geschehnisse um diese Zeit und an diesem Tag, jedoch habe ich das alles erst im Nachhinein interpretiert. Man kann sagen, dass dies der Mensch, das Wesen, in dieser Welt war, das ich am meisten geliebt habe. Für mich ist es das bitterste Ende einer langen Liste von ernsthaften Verlusten; der Supergau schlechthin. Das Positive daran ist, wenn man so will, dass mir nun niemand mehr genommen werden kann an dem mein Herz so hängen würde. Das wird nicht heißen, dass ich nichts mehr zu leiden haben werde; jeder Tod ist erschütternd und jeder ist ein Verlust. Aber mein Herz kann nicht mehr zerfetzt werden, das ist und bleibt es. Ich tue zwar nach außen, was man von mir erwartet, aber innen ist alles anders: in Watte, nicht mehr wichtig, nicht gut nicht schecht. Vieles von dem, was ehedem mein Leben ausgemacht hat, macht mir keinen Spaß mehr. Ich spüre ihm nach, hab mich auf etwas von seinen Hobbys verlegt. Ich kann weitgehendst nur noch in der Natur sein, muss mich bewegen. Und, ich bin unendlich bedürftig geworden. Leider ist niemand da, der bereit wäre, mich zu "füttern". War es am Anfang schon sehr schwer, Menschen zu finden, die mich auffangen hätten können, ist es jetzt, nach "so langer Zeit" schier unmöglich. Außerdem hatte ich schon zu Anfang viel zusätzlich zu leiden an der "Familie". Meine Beihnahe-Schwiegertochter hat mir von einem Tag auf den andernen verkündet, dass sie von mir nichts wissen will. auch mein Exmann, der Vater meines Kindes, hat mich mit allerlei Vorwürfen bombardiert; von "nicht loslassen wollen" bis "du trauerst falsch". Mein Leben ist eine lange Leidensgeschichte. Aber gerade deshalb dachte ich, dass ich mein Kind wenigstens behalten dürfte und mich an seinem Glück erfreuen. Aber so ist es, das Schicksal, das interessiert es nicht. Ich hätte mir im letzten Zwischenleben eben etwas anderes aussuchen müssen. Wahrscheinlich bin ich zu dumm, um es zu überreissen. Jedenfalls ist es erst zu Ende, wenn es zu Ende ist. Und schön wäre es, wenn das nicht mehr so allzu lange dauern würde. Aber so viel Glück habe ich nicht, glaub ich. Oder?

  • Lieber Gast,


    dein Schiksal ist durch nichts zu trösten.
    Ich habe meinen geliebten Mann dem Krebs opfern müssen und fühle nie mehr glücklich zu werden. Aber ein Kind zu verlieren ist eine andere Hausnummer die sich kaum nachvollziehen lässt. Du sagst es ist 19 Monate her. .....das ist noch keine Zeit um zu verkraften, sofern das jemals überhaupt möglich ist. Mir fällt nur ein, dass in deinem Leben nochmal etwas unvorhergesehenes wundervolles passieren könnte, damit du wieder Glücksgefühle bekommst und dein kleiner Engel ein Teil dieser wird. Er wohnt in einem anderen Raum und ist dir nur vorausgegangen. Du kannst ihn nicht greifen nur fühlen und das ist Schmerz des schlimmsten Grades an Erträglichkeit. Ich denke an deinen Schmerz und schicke dir aus der Ferne alle Wellen die dir zu Glück verhelfen sollen.

  • Hallo,


    mein Beileid zum Verlust deines lieben Sohnes. Leider gibt es keine Worte, die dich über diesen Verlust trösten könnten. Ich möchte dir vorschlagen, dich im Forum anzumelden. Es tut einfach gut, sich mit netten Menschen austauschen zu können, die dasselbe erleben mussten. Du schreibst, dass es in deiner Umgebung keine Menschen gibt, die dir Halt bieten. Das ist hier im Forum anders, hier verstehen dich alle und wir versuchen uns gegenseitig beizustehen. Das geht von virtuellen Umarmungen bis zu praktischen Tipps.
    Überlege es dir in aller Ruhe. Ich wünsche dir für deinen weiteren Weg viel Kraft.


    Mitfühlende Grüße
    Manuela


    Für deinen Sohn
    :kerze10:

  • Lieber Gast


    Ich muss mich Jasmins/Manuelas Worten anschließen. Mir hat es auch sehr geholfen, dass ich mich hier angemeldet habe. Hier sind nur Menschen, die alle einen schlimmen Verlust erlitten haben. Wärend "draußen" in der Welt oft Unverständnis herrscht, wissen hier die User immer, wie wir uns fühlen. Hier sagt dir niemand, dass du "falsch" trauerst. Es gibt kein richtig oder falsch beim Trauern. Jeder Mensch trauert anders. Und jeder von uns muss einen Weg finden, weiterzumachen.


    Ich glaube dir, wenn du schreibst, dass du deinem Sohn gerne folgen würdest. Aber bedenke, dass wir alle unsere Bestimmung haben. Es wäre also nicht richtig, sich dieser Bestimmung zu entziehen.


    Ich wünsche dir viel Kraft und den einen oder anderen netten Menschen, der dich stützt.


    Auch ich möchte für deinen Sohne eine Kerze anzünden


    :k111:


    leise Grüße


    Sylvia

  • Lieber Gast,


    Zitat

    Aber mein Herz kann nicht mehr zerfetzt werden, das ist und bleibt es. Ich tue zwar nach außen, was man von mir erwartet, aber innen ist alles anders: in Watte, nicht mehr wichtig, nicht gut nicht schecht. Vieles von dem, was ehedem mein Leben ausgemacht hat, macht mir keinen Spaß mehr.


    Deswegen hilft dieses Forum so gut - hier kann jeder verstehen, was du durchmachst. Das Fehlen jeglicher Freude, die Antriebslosigkeit, das "Funktionieren-müssen" nach außen.
    Ich hätte diese Zeilen schreiben können.


    Aber dein geliebter Sohn hätte sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass du wieder glücklich bist. Sehe es als seinen letzten Wunsch, dass seine Mama, die alles für ihn getan hätte, noch Momente der Zufriedenheit und des Glücks erlebt. Irgendwann seit ihr wieder vereint, und zwar für eine Ewigkeit und noch länger. Die Zeit jetzt hier auf der Erde solltest du deswegen füllen mit Schönem und Wichtigem, sie ist kurz und kostbar, auch wenn es uns so schwer fällt das zu glauben.


    Wenn ihr irgendwann wieder vereint sein kannst du deinem Sohn sagen: Schau, was ich noch alles geschafft, noch alles erlebt habe. Dann kannst du stolz auf ein gutes und schönes Leben zurückblicken. Dieser Moment liegt aber noch in weiter Zukunft und es steht uns nicht zu, zu entscheiden wann wir aus dem Leben gehen. Manchmal zerreisst mich der Schmerz auch beinahe und ich denke, wie schön es wäre, wenn es einfach vorbei wäre. Aber langsam kommen sie wieder, die guten Momente für die es sich zu Leben lohnt.
    Glaube fest daran und suche sie - es muss zu Beginn nichts großes und wichtiges sein, vielleicht ein Vogelnest, alte Bäume, taunasses Gras am Morgen. Und langsam tastet man sich wieder an größere Dinge. Ganz langsam.


    Ich wünsche dir alles Gute!

  • Lieber Gast,
    ich weiß sehr gut, was in Dir vor geht. Meine Tochter ist vor 12 Monaten ganz plötzlich von uns gegangen. Der Schmerz ist immer noch so groß, wie am ersten Tag. Oft habe ich das Gefühl, es zerreißt mich. Ich kann den Anderen nur beipflichten. Melde Dich hier an. Hier sind nur Menschen, die wissen wie es Dir geht. Mir hilft das Forum durch die vielen dunklen Stunden und schlaflosen Nächte.


    Für Deinen Sohn möchte auch ich eine Kerze anzünden :k115:
    Dich möchte ich einmal stärkend in den Arm nehmen, wenn Du magst.
    Leiser Gruß, Birgit

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