Ich habe vor fast 5 Jahren meinen Vater verloren. Ja, er war zwar alt und gebrechlich und hatte sein Leben gelebt, aber er war im Altersheim und er war in meinem Leben präsent. Jeden Tag habe ich ihn besucht, um Zeit mit ihm zu verbringen. Manche Insassen waren sogar neidisch auf ihn, weil ich jeden Tag bei ihm war, mit ihm gesprochen habe und ihn im Rollstuhl umhergefahren habe im Park und sie dagegen einsam waren. Während der Corona Zeit durfte ich es dann nicht mehr, weil er selbst Corona hatte. Er war asymptomatisch, aber er starb dann doch überraschend für mich. Es war ein Tod ohne Ankündigung. Die Tatsache, dass ich ihn jeden Tag besucht habe und die letzten 6 Tage seines Lebens nicht besuchen konnte, macht mich unglaublich traurig. Wir hatten nicht immer das beste Verhältnis, aber ich hätte mich so gerne noch zu Lebzeiten von ihm verabschiedet und konnte es einfach nicht. Wenn ich auf Reisen gewesen wäre oder auf sonstige Art verhindert, hätte ich das eher ertragen. So lag mein Vater in seinem Bett und ich konnte nicht zu ihm, wegen seiner Corona Infektion.
Natürlich wusste ich da nicht, dass er sterben würde, aber es ist einfach nicht fair vom Schicksal. Niemand ist schuld an der Situation. Corona hat ihm nicht schwer zugesetzt und alle meinten, er würde es überstehen, wie er schon so Vieles überstanden hat. Aber es kam einfach anders. Wenn ich nicht jeden Tag da gewesen wäre, hätte ich das besser verkraftet, aber so ein schneller plötzlicher Tod, ohne Vorankündigung. Das zermürbt mich immer noch und jetzt wo meine Tochter gerade Corona hat, ist die Trauer wieder da und ich muss immer an ihn denken. Ich habe das Gefühl, ich hätte noch soviel zu sagen gehabt und konnte es einfach nicht mehr, obwohl ich die Zeit dazu gehabt hätte, das Schicksal aber hat es nicht gewollt.