Mein Vater , gestorben an Corona 2021

  • Ich habe vor fast 5 Jahren meinen Vater verloren. Ja, er war zwar alt und gebrechlich und hatte sein Leben gelebt, aber er war im Altersheim und er war in meinem Leben präsent. Jeden Tag habe ich ihn besucht, um Zeit mit ihm zu verbringen. Manche Insassen waren sogar neidisch auf ihn, weil ich jeden Tag bei ihm war, mit ihm gesprochen habe und ihn im Rollstuhl umhergefahren habe im Park und sie dagegen einsam waren. Während der Corona Zeit durfte ich es dann nicht mehr, weil er selbst Corona hatte. Er war asymptomatisch, aber er starb dann doch überraschend für mich. Es war ein Tod ohne Ankündigung. Die Tatsache, dass ich ihn jeden Tag besucht habe und die letzten 6 Tage seines Lebens nicht besuchen konnte, macht mich unglaublich traurig. Wir hatten nicht immer das beste Verhältnis, aber ich hätte mich so gerne noch zu Lebzeiten von ihm verabschiedet und konnte es einfach nicht. Wenn ich auf Reisen gewesen wäre oder auf sonstige Art verhindert, hätte ich das eher ertragen. So lag mein Vater in seinem Bett und ich konnte nicht zu ihm, wegen seiner Corona Infektion.

    Natürlich wusste ich da nicht, dass er sterben würde, aber es ist einfach nicht fair vom Schicksal. Niemand ist schuld an der Situation. Corona hat ihm nicht schwer zugesetzt und alle meinten, er würde es überstehen, wie er schon so Vieles überstanden hat. Aber es kam einfach anders. Wenn ich nicht jeden Tag da gewesen wäre, hätte ich das besser verkraftet, aber so ein schneller plötzlicher Tod, ohne Vorankündigung. Das zermürbt mich immer noch und jetzt wo meine Tochter gerade Corona hat, ist die Trauer wieder da und ich muss immer an ihn denken. Ich habe das Gefühl, ich hätte noch soviel zu sagen gehabt und konnte es einfach nicht mehr, obwohl ich die Zeit dazu gehabt hätte, das Schicksal aber hat es nicht gewollt.

  • Hallo Micha,

    dein Verlust tut mir leid, auch, wenn er schon länger zurückliegt. Aber da sieht man mal wieder, dass Trauer eben kein Verfallsdatum hat. Um einen geliebten Menschen trauert man ein Leben lang. Und gerade dann, wenn Umstände eintreten, die einen sehr an die Zeit des Todes erinnern (wie bei dir die Corona-Erkrankung deiner Tochter), dann kommt der Schmerz wieder verstärkt hoch. Wenn du das Gefühl hast, du möchtest deinem Vater noch etwas sagen, dann hilft es dir vielleicht, ihm einen Brief zu schreiben. Mir hat das Schreiben immer gut getan.

    Liebe Grüße

  • Hallo Micha,

    ich bin eher zufällig hier auf dem Portal gelandet. Und beim Lesen deiner Zeilen fühlte ich mich direkt an meinen Vater erinnert, der 2024 nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb. Und ich denke nach wie vor täglich an ihn.

    Gerne möchte ich folgendes zu deinem Post beisteuern, in der Hoffnung, dass es dir vielleicht etwas Trost sein und geben kann. Denn obwohl der Tod bei meinem Vater leider absehbar war und ich eigentlich "genug" Zeit hatte Dinge mit ihm zu besprechen (was aufgrund seines Gesundheitszustandes aber auch nur noch bedingt möglich war) und mich auf den Tag seines Lebensendes vorzubereiten und Tag für Tag ein Stück mehr Abschied zu nehmen, so fühlt es sich für mich nach wie vor an, als wären wir "unvollständig" auseinander gegangen. Und dass, obwohl ich über mehrere Monate hinweg täglich mehrere Stunden im Krankenhaus und anschließend im Pflegeheim bei ihm verbracht habe. So nah waren wir uns in dieser Zeit das ganze Leben vorher nicht. Viele Menschen, die mich in dieser Zeit erlebt haben, sei es meine Familie oder auch Freunde und Weggefährten meines Vaters, haben mir Rückmeldung gegeben, dass sie es toll fanden, dass und wie ich mich derart um meinen Vater gekümmert habe und dass dies nicht alltäglich gewesen sei neben Beruf und Familie die Zeit für meinen Vater aufzubringen. Nebenbei gesagt: Für mich war das selbstverständlich. Da mein Vater alleine gelebt hatte und ich das einzige Kind war, stand das für mich eh außer Frage für ihn da zu sein. Und dennoch: Auch wenn ich die Möglichkeit hatte ihn - eben anders wie es bei dir leider der Fall gewesen war durch die blöde Coronazeit - bis zum letzten Atemzug auf seinem schweren Weg zu begleiten, so umtreibt mich nach wie vor immer wieder der Gedanke erstens nicht alles für ihn getan zu haben und zweitens irgendwie doch nicht alles gesagt und geklärt zu haben. Aber das ist jetzt einfach nur meine Sicht der Dinge darauf. Ich habe glücklicherweise noch keinen geliebten Menschen von jetzt auf gleich verloren, sodass ein Abschied nicht mehr möglich war. Ich kann mir gut vorstellen, dass einem das vielleicht sogar noch mehr nachgeht als wie es mir ergangen ist damit. Wir Menschen neigen ja zu Vergleichen, um Dinge irgendwie rational einordnen zu können. Nicht immer ist das passend oder gar sinnvoll. Und vielleicht passt es auch nicht 1:1 zu deiner Situation. Und dennoch wünsche ich dir (und ich irgendwie auch mir selbt :) ), dass du/wir es schaffen unseren Frieden damit zu finden. Ich versuche mir in Momenten der Zweifel meinen Vater vorzustellen, wie er - wenn er es könnte - mir auf die Schulter klopfen und sagen würde: "Alles ist gut. Es geht mir (jetzt) gut. So wie es war, so war es eben. Und ich bin dankbar für die Zeit, in der du für mich da warst."

    Und was mir auch geholfen hat - und auch immer wieder hilft, sind die Zeilen aus einer der Trauerkarten, die ich im Rahmen der Beerdigung erhielt:


    Es ist nie der richtige Zeitpunkt,

    es ist nie der richtige Tag,

    es ist nie alles gesagt,

    es ist immer zu früh!

    Und doch sind da Erinnerungen,

    Gedanken, Gefühle, schöne Stunden,

    Momente, die einzigartig

    und unvergessen bleiben.

    Diese Momente gilt es festzuhalten

    und im Herzen zu bewahren.


    Dir alles Gute!

    Chris

  • Danke für eure Beiträge lieber Micha und Chris.... ja genau man ist nie vorbereitet um Abschied zu nehmen...... ich trauere um meine Mama die mein ganzes Leben war...und seit mehr als 10 Jahre.....sie ging so plötzlich und unerwartet....... und für mich ist noch schwierig aber meine Trauer ist auch nach alle diese Jahre erträglicher geworden......

    Mir ist nur mein Papa geblieben...... und jetzt habe Angst ihn zu verlieren....... und bete dass er noch einige Jahre mit mir bleiben wird...trotz seinem Alter.....

    Schicke euch beiden viel viel Kraft---- die erste Monate und Jahre sind so schwierig ich kann mir noch sehr gut daran erinnere.....

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