Wie den Tod des Vaters verkraften?

  • Ich bin hier im Forum, in der Hoffnung, dass es mir dadurch vielleicht ein klein bisschen besser geht...
    Denn ich durchlebe gerade diesen unerträglichen Schmerz, den Verlust meines Vaters. Mein Papa war für mich immer ein Held, für alles wusste er eine Lösung. War immer hilfsbereit, wo es nur ging. Wir wohnten im gleichen Haus, deshalb war der Bezug bis zum Schluss auch sehr intensiv. Auch wenn es ab und zu mal zu Reibereien kam, trotzdem hatte man sich doch sehr lieb - Familie eben.
    Schon als Kind war ich immer sehr Vater fixiert, ein richtiges Papakind.
    Mein Vater ist eine Woche vor Weihnachten im Krankenhaus gestorben. Es kam alles so plötzlich, niemand wusste, dass es so schlimm um ihn stand. Ich war mit meiner Familie (Mutter und Bruder) im Krankenhaus als es passiert ist. Wir mussten kurz aus dem Zimmer, weil der Pfleger sich um ihn kümmern wollte. Niemals hätte ich gedacht, als ich ihn ansah bevor ich raus bin, dass ich ihn nie wieder sehen werde.
    Mein Vater ist an dem Abend (als wir auf dem Flur standen, um gleich wieder rein zu gehen) zusammen gebrochen und wurde ohne Erfolg reanimiert. Es war so schlimm mit anhören zu müssen, wie schrecklich er mehrmals geschrien hat, bevor er kollabiert ist. Niemals werden wir wissen, ob er Schmerzen hatte oder was genau passiert ist. Ganze 5 Tage war er im Krankenhaus, weil beim MRT ein Schatten auf der Lunge festgestellt wurde, er sehr schlecht Luft bekam. Davor stand er noch mit beiden Beinen im Leben, machte Gartenarbeiten, kümmerte sich liebevoll um seine 2 Enkelkinder (die Kinder meines Bruders), die auch im gleichen Haus leben.
    Es tut so unendlich weh und man hat das Gefühl, dass der Schmerz, dieses miese Gefühl niemals aufhört.
    Auf der Arbeit bin ich dann auf Unverständnis gestoßen, bei einer Kollegin. Von dieser eigentlich guten Kollegin musste ich mir dann anhören, ich würde ja nur noch wortwörtlich „mit einer Fresse durch die Gegend laufen“, obwohl sie genau wusste, was passiert ist...
    Es gibt leider viele Menschen, die mit der Trauer von Anderen einfach nicht umgehen können. Manche wissen einfach gar nicht was man in dieser schlimmen Situation durchmachen muss. Auch meine beste Freundin wusste nicht mehr, wie sie mit mir umgehen soll. Das ist zwischenzeitlich aber wieder besser geworden.
    Die zusätzliche Belastung, bereits schon vor dem Tod meines Vaters war, dass mein neu gewonnener Freund (wir waren fast 3 Monate zusammen) 4 Wochen zuvor Schluss gemacht hatte, weil seine Ex ihn nach über einem Jahr wieder zurück haben wollte, nachdem sie ihn damals verlassen und einen Anderen hatte.
    Seit der Zeit habe ich mich sehr von meinen Freunden zurück gezogen und gehe kaum noch vor die Tür. Die Arbeit lenkt zwar etwas ab, aber kaum steht das Wochenende vor der Tür, beginnt wieder das Gedankenkarusell und das tiefe Loch wird wieder größer.
    Die Fragen, ob mein Vater noch leben würde, wenn er früher ein MRT hätte machen lassen, denn Atembeschwerden hatte er schon eine längere Zeit. In meinem Leben ist einfach alles weggebrochen, was einem wichtig war und mir am Herzen lag. Nach all den Monaten habe ich das Gefühl, es wird schlimmer, als besser -beide Verluste zu verkraften...
    Ich habe das Gefühl nie wieder glücklich werden zu können.

  • Hallo Blaue Blume,


    es ist schlimm was du erlebt hast. Erst den Freund und dann den Vater für immer verlieren ist echt hart. Mein Beileid zu diesem schweren Verlust. Es ist schön wie dein Vater und du euch verstanden habt, um so schwerer ist für dich der Verlust zu ertragen. Es gibt hier im Forum viele, die denselben Verlust erleben mussten. Vielleicht würde dir der Austausch mit ihnen etwas helfen. Dazu könntest du dich im Forum anmelden. Hier triffst du immer auf Verständnis. Nicht wie bei dieser Kollegin, die von nichts eine Ahnung hat.
    Mir hat am Anfang schon geholfen zu lesen was die anderen so geschrieben haben. Dadurch habe ich verstanden, dass meine Gefühle und Reaktionen völlig normal waren. Erst etwas später habe ich dann selbst geschrieben und so viel Mitgefühl erfahren wie ich es gar nicht für möglich hielt.
    Ich wünsche dir viel Kraft für deinen weiteren Weg und vor allem liebe Menschen um dich herum die dich sein lassen wie du bist und die dich auffangen, wenn du es brauchst.


    Liebe mitfühlende Grüße
    Manuela

  • Hallo @blaueblume,


    Mein herzliches Beileid… ein Elternteil zu verlieren ist wirklich eines der schlimmsten Tragödien. Ich kann deinen Schmerz und deine Worte vollkommen nachvollziehen…


    Ich habe meine geliebte Mama letztes Jahr verloren. Sie litt an Krebs. Ich bin immer der Meinung, wenn Menschen noch nie dasselbe durchgemacht haben (mit einem Verlust) können sie den Schmerz gar nicht nachvollziehen. Mach dir keinen Kopf über deine Arbeitskollegin. Menschen gehen unterschiedlich mit Schmerz um. Während die einen nach einer Woche wie gewohnt den Alltag nachgehen, sitzt der Schmerz bei anderen über Jahre…


    Als ich mit dem Verlust meiner Mama zu kämpfen hatte, habe ich mir jedes Mal eingeredet: Das jeder eines Tages diesen Weg geht, der eine eben früher und der andere später… und ICH nichts hätte ändern können, um sie am Leben zu halten. Es kommt wie es kommen muss… Ich habe mir auch jedes Mal eingeredet: Dass man vielleicht einfach Mal Dankbar sein soll, für die schöne Zeit, die man gemeinsam mit der Person hatte. Es gibt Menschen, die ihre Eltern vielleicht erst gar nicht kennenlernen konnten und gar keine Erinnerungen teilen können... das ist viel trauriger.


    Was ich auch jederzeit getan habe, was ich dir weiterempfehlen kann, ist dich einfach mal zu beschenken! Kauf dir das was du immer haben wolltest, aber nie dazu kamst es zu kaufen. In so einer schweren Zeit sollte man seinen ganzen Wünschen nachgehen und sich selber einfach Mal etwas Gutes tun! Verbring auf keinen Fall die Zeit alleine, auch wenn du lieber in dieser Zeit alleine sein möchtest. Versuch viel zu Unternehmen, dich abzulenken, um auch wieder die Freude am Leben zu finden. Was ich ebenfalls gemacht habe, was vielleicht etwas komisch klingt: Aber JA, ich habe das Porzellan Geschirr meiner Mama nachgekauft, um jedes Mal eine Erinnerung davon zu haben, welch eine unglaubliche Schwäche sie für Porzellan Zeug von arte viva hatte. Ich wollte einfach ein bisschen mehr Erinnerung holen! Wenn ich in ein paar Jahren am Esstisch sitze, kann ich jedem davon erzählen, wie sehr meine geliebte Mama diese Porzellan Teller vergöttert hat! Und als ich auf die Idee kam, das Geschirr nachzukaufen, hat es mir direkt wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.


    Sie hat sich über nichts gefreut, aber sobald Porzellan und die Marke Arte Viva gefallen sind, blühte sie wie ein Engel auf. Das einzige, was sie dann immer von sich gab, wenn wir zusammen in der Stadt shoppen war, war: "ARTE VIVA® Markenporzellan... das gönn' ich mir!" Wie mich damals dieser Satz genervt hat und heute vergöttere ich ihn. Während ich ins Zara wollte, wollte sie immer lieber ins Tedox. Meine Mama wäre so stolz auf mich, wenn sie sehen könnte, dass ich mir tatsächlich sowas bei Amazon bestellt habe…


    Vielleicht holst du dir auch eine schöne Erinnerung mit deinem Papa zu dir nach Hause. Man sagt ja, dass die Erinnerungen in einem weiterleben, auch wenn es der Mensch nicht mehr tut. Und diese Erinnerungen kann einem keiner nehmen. Es ist etwas sehr Kostbares, schätze es.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für diese schwere Zeit und versuch auch Mal an die schönen Dinge zurückzublicken…
    Liebe Grüße!

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