Angst essen Seele auf

  • Als vor ca. 6 Wochen mein Mann plötzlich innerhalb 20 Stunden von hundert auf Null nach einem Aortariss und anschließenden schweren Herzinfarkt starb, war ich in der ersten Zeit sehr rational und pragmatisch. Alles habe ich gemanagt und organisiert. Weihnachten brauchte ich mit meinen 2 behinderten Kindern nicht alleine sein, meine Schwester war mit ihren chaotischen Kindern bei uns. Aber seitdem geht es mir von Stunde zu Stunde schlechter. Ich habe das Gefühl in ein großes Loch gefallen zu sein. Ich darf aber nicht, denn die Junioren brauchen mich für ihre Pflege und wenn ich es nicht mache, ist niemand sonst da.


    Im Haus ist es dreckig, Staubtiere flattern und Spinnweben bevölkern so langsam jede Ecke, Existenzängste machen sich breit, ich muss mit sehr viel weniger Geld zurechtkommen. Die Junioren begreifen mit ihrer geistigen Behinderung die volle Tragweite nicht - der Papa kommt niemals mehr wieder. Ich bin einsam!


    Jetzt heule ich und kann nicht mehr weiterschreiben, mein Bauch ist zugeschnürt, mein Rücken streikt, die Helfer (es gibt einige, ich bin nicht ganz allein) sind nicht greifbar. Alles ist neu und schrecklich ungewohnt, niemand ist da, mit dem ich ein erwachsenes Wort reden kann, meine Geschwister sind völlig überfordert, mit einer Schwester habe ich mich sogar überworfen, weil sie nur an sich denkt und mir vorgeworfen hat, dass ich nur jammere...


    Meine Angst ist greifbar, ich sehe meine Seele davonfliegen und kann sie nicht einfangen!


    piri

  • Lieber Gast (Piri),
    zunächst mein aufrichtiges Beileid zum Tode deines Mannes.


    Dann möchte ich dir meine tiefste Hochachtung entgeben bringen. Bei so einem Schicksal überhaupt 6 Wochen durch gehalten zu haben, ist mehr, als andere schaffen würden.


    Das Loch was jetzt da ist, tut sich bei anderen direkt nach dem Tod auf. Aber du mußt ja weiter funktionieren.
    Ich weiß nicht so genau, was du machen kannst, aber ich denke du brauchst mehr Hilfe....für den Haushalt, für die Kinder....damit du erst mal den Tod deines Mannes verarbeiten kannst. Etwas zur Ruhe kommst und dich sammeln und neue Kraft tanken kannst.
    Schrei nach den Helfern, sage ihnen wie es dir zur Zeit geht (dafür sind Helfer da)sorge dafür das in der nächsten Zeit immer jemand greifbar ist.
    Es hört sich hart an, aber wenn du schlapp machst......was ist dann????


    Vielleicht möchtest du dich schon mal hier anmelden, hier ist immer jemand zum schreiben und vielleicht kann dir das schon etwas helfen.


    Ich möchte noch eine Kerze für deinen Mann entzünden und wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit



    liebe mitfühlende
    Grüße
    Mummy

  • Liebe piri,


    möchte Dich im Forum willkommen heissen, schön, dass Du Dich angemeldet hast...


    Weiss gar nicht so recht, was ich Dir Hilfreiches schreiben kann... ausser dass ich Dich so gut verstehe kann!


    Habe zwar keine Kinder, aber immerhin 4 alte Hunde (weiss, hört sich jetzt total doof an, hm?)... die sehr betreuungsintensiv sind... (naja, ist wohl nicht das selbe, weil man Hunde zur Not abegeben kann, könnte...).


    Mein liebster, wichtigster, im Grunde einziger Mensch, mein über alles geliebter Mann verstarb auch am Herztod, es war kein Aortariss, ein Herzstillstand...


    Bin danach auch lange nicht mehr klar gekommen...


    Erst 16 Monate später, vor kurzem eigentlich erst, als ich nicht mal mehr ein paar Euro hatte, um mir zu Weihnachten so etwas Triviales wie Kartoffelsalat und Würstchen kaufen zu können (hatte GsD dann genau einen Tag vor Heiligabend noch überraschend eine Gutschrift auf meinem Konto!) und als ich selbst gemerkt habe, dass ich irgendwie allmählich im "Dreck" und im Chaos untergehe (auch Wollmäuse unter'm Bett, Staubweben an den Decken, schmutzige Böden,...), nachdem ich 16 Monate hinter runtergelassenen Jalousien und zugezogenen Vorhängen gelebt hatte, konnte ich etwas ändern... und da war mir klar, ich MUSS was ändern, wenn ich nicht mit Pauken und Trompeten untergehen und total verlottern will... das mache ich jetzt auch!


    Aber diese Zeit habe ich irgendwie gebraucht... bin ich nicht stolz drauf, aber war irgendwie so... will Dir nur sagen, dass ich Dich wirklich gut verstehen kann...


    Es ist schwer...


    Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du Dich bei den Helfern so bemerkbar machen kannst, dass Du Hilfe und Unterstützung bekommst... :troest:



    Viele liebe Grüsse,


    kleiner Liebling

    Du bleibst für immer in meinem Herzen... wirst mich stets begleiten.
    Danke für die schönsten Jahre meines Lebens, und für Deine Liebe...


    Wir sind keine Menschen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein...(Pierre Teilhard de Chardin)

  • Kann Dich so gut verstehen... zeitweise fielen mir selbst so "normale" Sachen wie duschen und Haare waschen schwer... (von putzen usw. mal ganz zu schweigen...)


    Ich habe irgendwie so keine Antworten für Dich, liebe piri... bin vollkommen unerfahren mit Deiner Situation... bestimmt wird später jemand noch etwas Hilfreiches hier schreiben...



    Das ist jetzt keine direkte Hilfe, aber vielleicht ein bischen so etwas wie ein Trost: ich glaube, Dich kann hier jeder verstehen und Du kannst hier Dein Herz ausschütten und Dir alles von der Seele schreiben...


    Mir hat auch das schon ein bischen geholfen...



    Viele liebe Grüsse,
    :troest:


    Kleiner Liebling

    Du bleibst für immer in meinem Herzen... wirst mich stets begleiten.
    Danke für die schönsten Jahre meines Lebens, und für Deine Liebe...


    Wir sind keine Menschen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein...(Pierre Teilhard de Chardin)

  • Dein lieber Mann war Dir bestimmt nicht nur emotional, sondern auch praktisch im Alltag eine sehr grosse Unterstützung...

    Du bleibst für immer in meinem Herzen... wirst mich stets begleiten.
    Danke für die schönsten Jahre meines Lebens, und für Deine Liebe...


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  • Ja, das fühlt sich wirklich an wie ein Zerreissen... mir geht's gerad' genauso, kämpfe gerade dagegen an, dem Schmerz nicht zu weit die Tür zu öffnen... bin auch allein daheim, habe ja 4 alte, bzw. ältere, die kann ich bei der Knallerei unmöglich im Stich lassen... bin aber auch ganz froh, dass ich heute Abend alleine bin...


    Die Junioren werden den Papa aber dennoch auch vermissen, denke ich... habe ein bischen in Deinem Blog gelesen... es ist so furchtbar traurig...

    Du bleibst für immer in meinem Herzen... wirst mich stets begleiten.
    Danke für die schönsten Jahre meines Lebens, und für Deine Liebe...


    Wir sind keine Menschen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein...(Pierre Teilhard de Chardin)

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