Lieber Markus,
ich habe mehrere Menschen in meinen Leben in den Tod begleitet.
Nicht jeder "schläft" direkt friedlich ein, manche Menschen kämpfen bis zu Schluss und können nicht so einfach loslassen, in unseren Augen, aber es ist nicht wirklich so, den der Sterbeprozess ist komplex, vor allen wenn der Mensch ein sehr starkes Herz hat. Das wichtigste ist, dass Du bei ihm warst.
Bei der Sedierung spüren die Patienten meist keine Schmerzen, es ist auch "normal", das die Atmung schwerer wird und manchmal hört sich die Atmung nach "brodeln, rascheln" an, weil sie den Schleim nicht abhusten können oder schlucken, kann es auch vorkommen, dass dieser aus den Mund läuft. deswegen kann man auch in der letzte Phase wenn der Patient nicht bei Bewusstsein ist was zum trinken verabreichen.
Schade, dass Dich die Ärzte drüber nicht aufgeklärt haben, was auf Dich zukommt.
Viele Angehörige erschrecken, wenn sie bei Sterbenden in den letzten Stunden oder Tagen ein lautes, rasselndes Atemgeräusch hören. Dieses wird oft als „Todesrasseln“ bezeichnet, medizinisch spricht man von Rasselatmung.
Sie entsteht dadurch, dass Sterbende das Schlucken kaum noch kontrollieren können. Speichel oder Flüssigkeit sammelt sich im Rachen- und Bronchialbereich und kann nicht mehr abgehustet werden. Wenn die Luft daran vorbeiströmt, entstehen diese rasselnden oder gurgelnden Geräusche. Auch läuft die Flüssigkeit aus den Mund raus, was vollkommen normal ist.
Für die sterbende Person selbst ist diese Atmung in aller Regel nicht mit Schmerzen oder Atemnot verbunden. Die Betroffenen sind meist bewusstseinsgetrübt oder gar nicht mehr bei Bewusstsein.
Für die Angehörigen wirkt das Geräusch oft belastender, als es für den Sterbenden tatsächlich ist.
Pfleger oder Ärzte können manchmal durch Lagerung, Absaugen oder Medikamente Linderung verschaffen. Obwohl das Absaugen sehr schlimm aussieht, da sollte man als Angehöriger den Raum verlassen. Ich habe es aber bei keinen der Sterbenden selbst zugelassen. Weil ich weiß, dass das was wir wahrnehmen für die Person die gehen muss nicht schlimm ist.
Die schwere Atmung zeigt, dass der Körper sich immer weiter zurückzieht und die letzten Funktionen nach und nach erlöschen. Sie ist ein typisches Zeichen, dass das Lebensende sehr nahe ist.
So schwer es ist, dieses Geräusch bedeutet nicht, dass der Sterbende leidet, sondern dass er sich auf seine letzte Reise vorbereitet. Für Angehörige ist es hilfreich, diese Information zu kennen, um die Situation besser zu verstehen und Ruhe zu bewahren. Dafür sind eigentlich die Ärzte da, um es zu erklären.
Glaube mir, Du hast ihn nicht weh getan, eher im Gegenteil, Du warst für ihn da bis zur letzter Sekunde.
Auch wenn Du einen Arzt gerufen hättest, hätten sie vielleicht bisschen Medikamente nachgespritzt, aber er wäre trotzdem vorausgegangen. Es ist schwer zuzusehen, wie ein Mensch, den man sehr liebt stirbt.
Ich würde Dich bitten, auch wenn Du Dich stark fühlst, es mit Dir nicht selbst auszumachen sondern Austausch zu suchen, damit Du auch verstehst, dass Du nichts falsch und vor allen ihn in den Moment nicht helfen konntest.
Beim ersten Mal war es auch für mich, obwohl ich wusste, was auf mich zukommt traumatisch, auch bei letzter Begleitung war es sehr schwer gewesen, aber es gibt oft keinen anderen Weg als die Sedierung und diese hat ihn sehr viel Angst genommen.
Irgendwann werden auch diese Bilder verblassen, aber am Anfang ist es normal, dass diese letzte Momente so sich ins Gehirn brennen. Du hast für deinen Bruder alles getan, was Du tun konntest, Du warst bei ihm am Bett und hast seine Hand festgehalten.
Ich wünsche Dir viel Kraft, auch wir haben hier ein offenes Ohr für Dich!
Leisen Gruß
Marek Jan