Gedenkkerze für meine Oma - Waltraut 01.04.1927 - 12.10.2017

  • Liebe Oma,

    es tut mir leid. Erst heute habe ich erfahren, dass Du gestorben bist.
    Alle paar Monate habe ich geschaut, ob ich eine Todesanzeige finde. Mir war ja klar, das ich es sonst nicht erfahre.
    Oma, wenn ich könnte, würde ich weinen.
    Mama und Andreas sind gerade in Bad Schandau. Da wollte Mama sowieso nach Lichtenhain, um Vati zu besuchen.
    Deswegen hatte ich heute mal wieder geschaut.
    Ich kann grad gar nicht viel schreiben.

    Ich glaube, Du warst einer der ersten Menschen, dem ich mein Herz geschenkt habe.
    Gib Vati einen Kuss von mir!

    Deine Dich immer Liebende Enkelin

    :trauerkerze_18:

    Und die Kerze erinnert mich auch direkt an Dich. Immer in der Adventszeit das Kerzchen. Und wenn im Kindergarten jemand Geburstag hatte, bist Du mit einer Kerze im Kreis rumgelaufen, und jedes Kind sollte einmal in die Flamme schauen......

  • Liebe Omi,

    heute beim aufwachen galt mein erster Gedanke Dir.
    Ich war 3 Jahre alt, als Mama und Vati sich kennenlernten.
    Für mich warst Du immer meine liebe Omi. Opa war zu der Zeit schon nicht mehr fit.
    Mehrere Schlaganfälle und mindestens ein Herzinfarkt.
    Ich weiß noch, das er Dich oft angeschrien hat.
    Mir wurde als Kind dann immer gesagt, das ist weil der Opa krank ist.
    Manchmal hat er auch mein Spielzeug versteckt.

    Aber er hat mir damals auch einen Sandkasten gebaut. Er fand es wohl nicht so toll, das ich in den Gartenbeeten von Dir gebuddelt habe :D

    Du warst Kindergärtnerin in Altendorf, und auch meine.
    Wegen Dir wollte ich selbst auch Erzieherin werden. Aber damals, Ende der 90er waren meine Schulnoten leider nicht gut genug.

    Ich kann mich erinnern, das wir einmal mit dem ganzen Kindergarten zu Dir gelaufen sind, um Dir zum Geburtstag zu gratulieren.
    War komisch für mich, weil es ja mein Zuhause war.
    Wir haben Dir etwas vorgesungen, und Du hast uns dann allen einen Schokokuss geschenkt. Die von Dickmanns.
    In der DDR natürlich nicht zu erhalten. du hast das von Deinem Bruder aus Bad Hersfeld bekommen.
    Und nicht für Dich behalten, sondern an uns verschenkt.

    Oma, vor ein paar Tagen beim einkaufen habe ich mir Schokoküsse gekauft. Das erste Mal seit sehr vielen Jahren.
    Ein Zeichen?

    Von der Kerzengeschichte im Kindergarten habe ich ja schon geschrieben.
    Wenn ein Kind Mittags nicht einschlafen konnte, hast Du Ihnen ganz sanft ein Taschentuch aufs Gesicht gelegt.
    Das war so beruhigend, da ist jedes Kind eingeschlafen.

    Du hast mich auch nie gezwungen, etwas zu essen was ich nicht mochte.
    Im Gegensatz zu Frau Scheibe, die ich nicht leiden konnte.
    Ich durfte meine Erbsenkette legen. Erbsen mochte ich nicht als Kind.
    Und die Teller im Kindergarten hatten so eine Rille im Rand. Da lagen die bei mir dann immer :)

    In der Adventszeit hast Du mich immer hochgeholt und wir haben gewichtelt.
    Am Bilderkalender wurde dann auch ein Türchen geöffnet.

    Auch so war ich öfter bei Dir oben.
    Dann hab’s mal ein After Eight. Und Du hast eine Schallplatte angemacht. Am liebsten mochtest Du Roger Whittaker. Die Musik von ihm verbinde ich immer mit Dir.

    Nach Vatis Tod sind wir ja leider weggezogen. Trotzdem war ich für Dich immer noch Deine Enkelin.
    Zu Weihnachten und zum Geburtstag hast Du mich nie vergessen, und immer eine Karte geschrieben.

    Dann zogen wir irgendwann sogar leider nach Thüringen. Das war für mich noch schlimmer.
    Die Sächsische Schweiz war meine Heimat. Thüringen war für mich dagegen Flachland. Und mit der Elbe konnte dort auch kein Fluss mithalten.

    Mit 14 Jahren besuchte ich für eine Woche meine Freundin Conny in Postelwitz.
    Und natürlich dann auch Dich.
    Die Geschichte: Wir sind den Dorfbachklamm hochgelaufen. Wir sollten aber vor Dir laufen. Du wolltest nicht, das wir auf Dein Hinterteil blicken müssen.
    Muss da grad lachen in der Erinnerung.

    Damals war Opa auch schon gestorben. Und auf sagtest, Du kannst nicht mehr weinen. Und auch keine Augenflüssigkeit produzieren. Da hattest Du solche Tropfen.
    Damals konnte ich das nicht verstehen. Weinen ging doch immer.
    Jetzt weiß ich, was Du meintest.

    Immer wenn ich in der Sächsischen Schweiz war, habe ich Dich und Vati besucht.
    Mit Uli war ich ja auch zweimal dort im Urlaub.

    Beim ersten Mal war noch alles ok.
    Man merkte Dir natürlich Dein Alter deutlich an. Aber Du hast mich noch erkannt.

    Bei zweiten Mal brach es mir fast das Herz.
    Ich erkannte Dich von hinten. Dein Gang, den hätte ich immer erkannt.
    Ich sprach Dich an, und sagte wer ich bin.

    Und ich habe sofort bemerkt, dass Du nur so tust als ob Du mich kennst. Ich vermute Altersdemenz.
    Ich weiß nicht, ob das im Alter Fluch oder Segen ist.
    Du musstest so viel schlimmes im Leben durchmachen.

    Und es hat Dich nicht gebrochen, oder verbittert gemacht.
    Du warst die tollste Frau die ich kannte.
    Da geht es mir wie Scarlett in Vom Winde verweht. Die immer so sein wollte wie Melly oder ihre Mutter.

    Ich hoffe sehr, Dein letzter Weg war leicht. Und dass Du alle Deine lieben widergeschienen hast.
    Ich bin mir sicher, Vati hat Dich in Empfang genommen.

    Oma, Du hast mich geprägt, Deine Liebe hat tiefe Spuren bei mir hinterlassen.....

  • Das sind sehr schöne Erinnerungen an Deine Kindheit und Deine Oma, liebe Dina.

    Für Deine Oma

    :trauerkerze_27:

    Lieber Gruß
    Nicole

    1_7.png

    Wenn Dir jemand erzählt, dass die Seele mit dem Körper zusammen vergeht und das, was einmal tot ist, niemals wiederkommt, so sage ihm: Die Blume geht zugrunde, aber der Same bleibt zurück und liegt vor uns, geheimnisvoll, wie die Ewigkeit des Lebens. (Khalil Gibran)