Auf meines Kindes Tod

  • Auf meines Kindes Tod

    Josef von Eichendorff ( 1788 - 1857)

    Freuden wollt ich Dir bereiten;
    Zwischen Kämpfen,
    Lust und Schmerz
    Wollt ich treulich dich geleiten
    Durch das Leben himmelwärts.

    Doch du hast′s allein gefunden,
    Wo kein Vater führen kann,
    Durch die ernste dunkle Stunde
    Gingst du schuldlos mir voran.

    Von fern die Uhren schlagen,
    Es ist schon tiefe Nacht,
    die Lampe brennt so düster,
    das Bettlein ist gemacht.

    Die Winde nur noch gehen
    Wehklagend um das Haus,
    Wir sitzen einsam drinnen
    Und lauschen oft hinaus.

    Es ist, als müßtest leise
    Du klopfen an die Tür,
    Du hätt′st dich nur verirret
    Und käm′st nun müd zurück.

    Wir armen, armen Toren!
    Wir irren ja im Graus
    Des Dunkels noch verloren, -
    Du fand′st dich längst nach Haus.

    Mein liebes Kind, Ade!
    Ich konnt Ade nicht sagen,
    Als sie dich fortgetragen,
    Vor tiefem, tiefem Weh.

    Und Jahre nahn und gehen,
    Wie bald bin ich verstoben -
    O bitt für mich da droben,
    Dass wir uns wiedersehn!

    :love_herz_255:

    Das Leben endet - die Liebe nicht.