ich möchte heute drei Gedichte mit Ihnen teilen, die für mich eine zusammenhängende Trilogie bilden. Sie beschreiben meinen ganz eigenen Weg durch die Trauer um meinen Mann, der vor einigen Jahren verstorben ist: von der quälenden Suche nach dem rationalen „Warum“, über das schmerzhafte Akzeptieren des Schweigens, bis hin zu dem Moment, in dem ich den Schmerz endlich in die Freiheit entlassen darf.
Vielleicht findet sich der eine oder andere von Ihnen in diesen Zeilen wieder und zieht ein wenig Kraft daraus.
Teil 1: Abgedüst
Du hast mir versprochen, hundert Jahre alt zu werden. Du hast Dein Versprechen nicht gehalten.
Das habe ich nicht verstanden. Das Nichtverstehen des „Warum des Nichteinhaltens“. Es quält mich heute noch, Jahre nach Deinem Tod.
Warum ist mir dieses Wissenwollen so wichtig?
Ich habe „nur“ in Erinnerung, Deine Freude und Dein Lachen, als Deine Seele „abgedüst“ ist. Das freudigste Lachen, das ich je hörte.
Und immer dann, wenn dieses Warum auftaucht, erinnere ich mich. Erinnere ich mich an Dein Lachen.
Ein Lachen, das eine Freude ausdrückte, die Du im Leben nicht leben konntest.
Und trotzdem bleibt für mich: Kann ich das Nichtwissen nicht nur über dieses Warum einfach so stehenlassen?
Stehenlassen – ohne es zu wissen!?
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Teil 2: Den Raum des Nichtwissens halten
Ich kannte Deinen Schritt, den Klang Deiner Stimme. Und doch habe ich von Dir nur wenig gewusst.
Dich gefühlt nicht wirklich gekannt.
Das Kennen ist für mich, Dein Innerstes wissen. Das, was Dich zutiefst bewegte. Darüber hast Du geschwiegen.
Dein Schweigen baute Mauern aus ungehobenen Schätzen. Ich stand vor Deinem Rätsel und fühlte Deinen Schatten mit Fragen.
Warum nur? Warum nur hast Du geschwiegen?
Hattest Du Angst, dass ich Dich dann nicht mehr mag? Oder hast Du Dich schuldig gefühlt? Was war es nur?
Ich werde es nie wissen. Ich werde es nie erfahren.
Dein Geheimnis bleibt Dein Eigentum, und meines wird das Fragen.
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Teil 3: Schönheit
Weißt Du, wie schön Du bist? Über meine Frage bist Du zutiefst erschrocken!
Ich sagte Dir, dass das nichts mit Deiner äußeren Form zu tun hat, sondern mit Deiner inneren Schönheit. Einer Schönheit, die ich nicht beschreiben kann.
Und an manchen Tagen krabble ich in diese Schönheit. Dann fühle ich mich zutiefst zuhause.
Geborgen in Dir.
Lass los. Da ist nichts, was schmerzen sollte. Lass den Schmerz endlich los. Er braucht Freiheit.