Ich habe meinen Papa verloren

  • Hallo,

    ich habe meinen Papa am Montag den 13.07. ziemlich plötzlich verloren. Ich dachte immer, dass der Herzschmerz bei einer Trennung mit nichts vergleichbar wäre. Ich kenne Verlust. Ich weiß wie es ist ein Familienmitglied zu verlieren, wie Oma und Opa und klar schmerzt es, aber den Papa zu verlieren. Das hat mir wortwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen.

    Ich weiß auch gar nicht, was ich hier überhaupt schreiben soll, wie und wo ich anfangen soll. Vielleicht will ich mich einfach nur ausdrücken?

    Ich bin gerade in der Phase, wo ich mir selbst Vorwürfe mache und in Wellen in tiefe Trauer falle, wo ich sehr viel weinen muss. Ich gehe unsere Telefonliste durch, unseren Chat und frage mich, warum ich nicht noch mehr Zeit mit ihm verbracht habe. Warum ich nicht nochmal angerufen habe, nochmal geschrieben habe. In den letzten Wochen haben wir uns oft gehört und als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, hat er sich zu mir gesetzt und gefragt, dass wenn er nicht mehr da ist, ich das Haus von seiner Familie übernehme. (Wir haben ein Ferienhaus, dass seit vielen Generationen weitervererbt wird. Zuletzt gehörte es seinen Eltern, also meiner Oma und Opa). Ich fand seine Frage irgendwie seltsam und heute frage ich mich, ob er es irgendwie gewusst hat, dass seine Zeit enden würde. Wobei er im Anschluss noch gesagt hat "Keine Sorge, dein alter Vater bleibt dir noch erhalten." mit einem Lächeln im Gesicht. Das war das letzte Mal wo wir uns gesehen haben.

    Mein Vater war seit ich denken kann chronischer Schmerzpatient. Er hatte Probleme mit seinem Fuß, Rücken und zuletzt hat er ein künstliches Schultergelenk bekommen, aber er war immer stark. Er war auch auf REHA und dort waren seine Werte und sein Allgemeinbefinden auch gut, deswegen war sein Tod so überraschend für meine Mutter und mich. Es ging einfach so plötzlich...und dieses Bild in meinen Augen hat sich eingebrannt, wie ich ihn auf der Intensivstation gesehen habe, mit Schläuchen und Geräten. Die Ärzte sagten zwar, dass wir uns auf das schlimmste gefasst machen sollen, aber meine Mutter war guter Dinge. "Ich habe schon schlimmeres gesehen. Papa ist stark, ich weiß das." zwei Stunden später kam dann der Anruf, dass es sehr schlecht um ihn steht. Als wir dann zurück ins Krankenhaus kamen, ist er verstorben...ein paar Minuten bevor wir ankamen. Wir haben uns dann viel Zeit gelassen und haben abschied von ihm genommen. Es sah aus, als würde er schlafen...

    Seitdem steht meine Welt still. Mein Papa wurde 57 Jahre und...ich vermisse ihn. Ich würde alles geben um nochmal mit ihm reden zu können. Ich habe gebetet darum, dass er zurück kommt. Damit ich ihn schimpfen kann, warum er meiner Mama und mir so einen Schrecken eingejagt hat. Dazu wird es nicht mehr kommen... ich werde nie wieder mit ihm reden können oder seine Stimme hören und das bricht mir das Herz.

    Meine Mama ist jetzt allein und ich habe Angst um sie, wie sie das verkraften soll. Wenn ich sehe, wie es mir geht, kann ich mir nicht vorstellen wie es meiner Mama geht. Sie wären im August 31 Jahre verheiratet gewesen. Ich zünde jeden Tag eine Kerze an und habe zu dieser Kerze Gegenstände gelegt, die ich einmal von meinem Papa geschenkt bekommen habe. (z.B. eine Goldmünze, oder einen Glücksbringer zum Neujahr).

    Ich bin eigentlich kein spiritueller Mensch, aber ich wünsche mir nichts sehnlichster als, dass mein Papa mir erscheint und wir nochmal reden können und uns verabschieden. Zumindest ein letztes Mal.

    Papa, du fehlst mir.

  • Hallo, Nati,

    Es tut mir sehr leid, dass du deinen Papa verloren hast. Wir wissen es nicht, ob er es geahnt hat oder ob er das einfach so aus organisatorischen Gründen gesagt hat.

    Ja, dieses "nie wieder" ist glaube ich eins der schlimmsten Geschehnisse, die wir verkraften müssen, wenn ein lieber Mensch hier geht. Jedenfalls geht es mir so und es ist jedes Mal wie ein Schlag ins Gesicht.

    Ich finde du machst das ganz richtig! Du hast Dir für Deinen Papa einen kleinen Altar hergerichtet.

    Ich wünsche Dir, dass Du etwas Tröstliches findest, offene Ohren findest, wenn Du sie brauchst.

    Du könntest Dich an eine Trauergruppe anschließen oder auch in ein Trauer Café in Deiner Nähe gehen. Meist weiß die Diakonie oder ein Hospiz Bescheid, wo solche Treffen sind. Treffen mit "Gleichgesinnten" tun oftmals gut, wenn das Umfeld nicht mehr so geduldig sein kann.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

    Leisen Gruß

    Jannie

  • Hallo Nati,

    mein ganz herzliches Beileid.

    Ich fühle mit dir. Dein Papa ist so gesehen noch da nämlich in deinem Herzen. Und weißt du was ich gemacht habe, mir ein Trauertagebuch angelegt. Ich schreibe zwar an alle meine Verstorbenen dort rein aber eben vor allem grad an meinem Papa. Ich schreibe mit ihm als würde ich mit ihm reden. Und schreibe Gedichte. Du kannst das auch in Briefform machen, einfach schreiben als würdest du mit ihm reden während die Kerze leuchtet. Versuch das mal, muss auch nicht jeden Tag sein, doch es kann wirklich helfen, auch wenn Tränen kommen. Ist alles völlig normal.

    Ja auch dass du Angst um deine Mama hast ist verständlich, dies kenne ich auch, selbst jetzt noch. Denn meine Mama ist eine gute Verdrängerin. Sie fährt viel weg. In den Urlaub, weil sie es zu Hause in stille nicht so lange aushält.

    Ich wünsche dir und deiner Mama, ganz, ganz viel Kraft jetzt für die schwere Zeit. Fühl dich herzlich umarmt wenn du magst.

    Mitfühlende Grüße Einfach Nur Mensch.