• Im Regen


    Es stimmt zu mir, es ist ein sinnreich Wetter;
    mein Nacken trieft, denn Baum und Borke triefen.
    Die Tropfen klatschen durch die schlaffen Blätter;
    die nassen Vögel tun, als ob sie schliefen.

    Der Himmel brütet im verwaschnen Laube,
    als würde nie mehr Licht nach diesem Regen;
    nun kann er endlich, ungestört vom Staube,
    das Los der Erde gründlich überlegen.

    Die Welt fühlt grämlich ihres Alters Schwere:
    kein Fünkchen Freude, nur die Spur von Trauer.
    Und immer steter schwemmt sie mich ins Leere:
    kein Staub, kein Licht mehr - grau - und immer grauer.


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    Richard Dehmel (1863-1920)
    deutscher Dichter

    Das Leben endet - die Liebe nicht.