Liebe Laura,
es dauert oft länger, bis man akzeptieren kann, dass diese neue Situation jetzt die Wirklichkeit ist und kein Traum, aus dem man aufwachen kann. Auch jetzt, nach über einem Jahr, denke ich mir öfter: das muss ich meinem Armin erzählen. Oder ich höre ein Geräusch an der Haustür und denke: jetzt kommt er nach Hause. Es braucht einfach Zeit.
Du fragst dich, warum deine Familie deinen Vater nochmal sehen will. Aber trotz vieler Gemeinsamkeiten trauert jeder doch anders, und wenn es ihnen ein Bedürfnis ist, ihn ein weiteres Mal zu sehen, dann ist das eben so und für sie genau so richtig.
Das "Loslassen", das ist auch so eine Sache. Als ich meiner Trauerbegleiterin damals sagte: "Ich kann ihn nicht loslassen", da sagte sie: "Das müssen Sie auch nicht."
Loslassen hieße für mich, zu vergessen, was war, meinen Mann irgendwie aus meinem Leben zu streichen und weitermachen wie zuvor, nur ohne ihn. Aber wenn du hier im Forum schon mehrere Beiträge von Menschen gelesen hast, die den Trauerweg schon etwas weiter gegangen sind, dann wird dir vielleicht auffallen, dass viele von "liebevoller Erinnerung" sprechen. Und genau so versuche ich das jetzt auch, und es tut gut. Ich spreche immer noch mit meinem Mann, frage mich, wie er in manchen Dingen entschieden hätte. Ich wünsche ihm einen guten Morgen und eine gute Nacht. Kann mich mit weniger Schmerz an die schönen gemeinsamen Zeiten erinnern. Aber auch das geht nicht von heute auf morgen. Trauern mit all seinen Facetten ist eben ein Prozess und erfordert oft viel Geduld. Und die wünsche ich dir.
Liebe Grüße