Verlust meiner besten Freundin. Sie starb – Brustkrebs – ich blieb zurück

Veröffentlicht: 11. Februar 2016

Verlust meiner besten Freundin. Sie starb – Brustkrebs – ich blieb zurück

Liebe Freundin,

Freundinnen, auf den Tag genau 6 Jahre.
Offenes Ohr für meine Sorgen.
Tröstende Worte, in Kummer und Leid.
Einigkeit.
Lachen und glücklich sein.
Viele Dinge gemeinsam erleben…
Auseinandersetzung und das Wissen:
Du bist immer für mich da.
Ich vermisse Dich!

Heute bist Du friedlich in meinen Armen eingeschlafen, nur wir zwei ganz alleine.
Es sollte so sein und ich bin sicher, Du hast es so ausgesucht.
Ich danke Dir für Dein Vertrauen, diesen Moment mit mir zu teilen und es erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit,
dass ich für Dich da sein konnte. Du warst es wert, so sehr geliebt zu werden.
Du bist es wert, dass so viel Traurigkeit geblieben ist an Deiner Stelle.
Ein Teil meines Herzens ist heute mit Dir gegangen,
und diese Lücke wird nie mehr geschlossen, weil Du nicht mehr unter uns bist.

Eine gute Reise ins Regenbogenland.

In tiefer Freundschaft und Liebe

Deine Freundin.

 

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Dies ist die Traueranzeige, die ich für meine Freundin entworfen habe. Zu lesen war sie nur auf unserer gemeinsamen Internetseite, wo wir uns aufhielten und hier im Forum.

Denn es stand mir nicht zu, eine „Offizielle „zu entwerfen, es war ja „nur“ meine Freundin. Für das Offizielle waren der Ehemann und die Familie zuständig.

Doch ich habe eine Freundin verloren, die liebste Freundin, meine Freundin, und ich musste für mich eine Traueranzeige entwerfen, um Abschied nehmen zu können, um sie zu verabschieden.

Viele sagen, es ist doch nur eine Freundin, aber es ist eine Freundin, ohne „nur“.

6 Jahre – auf den Tag genau – hatten wir unsere Freundschaft, nur zwei unbeschwerte Jahre.
Denn vier Jahre wurden von der Krankheit „Krebs“ begleitet. Brustkrebs.
Zum Schluss Metastasen in der Lunge, der Leber und im Hirn.

Vier Jahre haben wir gemeinsam gegen den Krebs gekämpft,
vier Jahre war ich sehr oft mit bei den Chemos, oder auch bei den Arztgesprächen,
vier Jahre lang bei den OPs gezittert,
vier Jahre lang war ich oft 4 bis 6 Stunden im Krankenhaus,
vier Jahre war ich an ihrer Seite, immer abrufbereit. Wenn sie anrief, war nichts wichtiger… vier Jahre lang,
vier Jahre lang habe ich mir ihre Sorgen und Ängste angehört,
vier Jahre lang habe ich sie auch wieder aufgebaut,
vier Jahre lang haben wir oft zusammen gelacht und auch manchmal zusammen geweint,
oft Ablenkung von der Krankheit gesucht… vier Jahre lang.
Auch zusammen schweigen konnten wir, wenn einfach die Worte fehlten…
Wir haben geredet, telefoniert, gesimst und uns im Internet unterhalten.

Unsere Freundschaft wuchs mit jedem Tag mehr.

Die letzten beiden Jahre waren unsere intensivste Zeit, einfach weil wir viel Zeit miteinander verbracht hatten und unsere Freundschaft eine immense Tiefe bekam, ein blindes Verstehen.
Ich versprach ihr, dass ich sie bis zum letzten Atemzug begleiten werde, nicht wissend, dieses Versprechen mal einzulösen.

Wir gingen zusammen von Chemo zu Chemo,
von Bestrahlung zur vorläufigen Genesung,
von Metastase zu Metastase,
von Sehstörungen zu Taubheitsgefühlen,
von Selbsthass und zur Aggression gegen den Krebs, von eingeschränkter Sehfähigkeit zum Nicht-laufen-können,
vom Rollstuhl bis zur Bettlägerigkeit,
von totaler Bewegungsunfähigkeit bis zu ihrem Tod.

Kaum einer begreift, wie tief, schmerzhaft und groß der Verlust ist, sie zu verlieren, weil es ja nur meine Freundin ist.
Von der Umwelt wird es kaum wahrgenommen und oft klein geredet, ich stoße oft auf Unverständnis, dass mich ihr Tod so mitnimmt.

Vier Tage vor ihrem Tod habe ich Sitzwachen – zusammen mit ihrer Familie – gehalten, damit sie nicht alleine einschlafen musste, dass immer jemand bei ihr war.

Zwei Tage davon war sie ohne Bewusstsein, aber ich bin mir sicher, sie hat gespürt, dass jemand da war.
Jeden Tag war ich 5 bis 6 Stunden im Krankenhaus, hielt ihre Hand, streichelte ihren Arm, redete mit ihr, bis sie in meinen Armen starb. Ganz sanft und ganz leise ging sie von dieser Welt, es waren nur sie und ich da.

Eine Krankheit kann auseinanderreißen, uns hat sie zusammengeschweißt, denn sie brauchte mir oft nicht viel zu erzählen, ich verstand sie ohne Worte.

Einmal sagte sie zu ihrem Mann, als Lungenmethastasen festgestellt wurden und es ihr sehr schlecht ging:
„Meine Freundin ist unglaublich, sie weiß immer, wann ich reden will oder wann ich Ruhe habe möchte.“

Ihre schönsten Zeilen, entnommen aus einem Text. Diese Zeilen, die ich kostbar, wie einen Schatz hüte:

In erster Linie ist natürlich mein Mann meine wichtigste Anlaufstelle, aber direkt danach – und damit meine ich DIREKT –
kommt meine liebe Freundin, die immer für mich da ist, mir Mut macht und mich zum Lachen bringt.
Sie fährt mich immer zu den Chemos, und das ist für mich unglaublich entspannend und gut.
Selbst, wenn es ihr nicht so gut geht, ist sie für mich da.
Meine liebe Freundin, du bist die beste Freundin, die sich ein Mensch nur wünschen kann und ich hoffe,
dass ich dir irgendwann einmal so viel Hilfe und Unterstützung geben kann, wie du sie mir gibst.
Hab dich lieb.

Ja, um eine beste Freundin kann man trauern, tief und lang. Schmerzhaft ist das Vermissen, der Weg ist nicht einfach.

Mich hat ihr Tod einmal in die Hölle geschickt, ich bekam Depressionen, wurde aggressiv und bekam starke Suizidgedanken, musste in eine Klinik, weil ich den Weg der Trauer nicht alleine geschafft habe.
Heute, nach über einem Jahr, geht es so langsam, ganz langsam aufwärts.

Nun fange ich an zu lernen, ohne meine liebste und beste Freundin zu leben.

Für sie mitzuleben und sie immer im Herzen zu haben, das wird meine Aufgabe für den Rest meines Lebens sein.

Egal, wie die Umwelt darauf reagiert.

Meine Trauer um meine Freundin bleibt lebenslänglich, so wie ihr Platz in meinem Herzen für immer bleibt, denn sie ist durch nichts und niemanden zu ersetzen.

Ihr Trauerspruch lautete:
„Vielleicht bedeutet Lieben auch Lernen, jemanden gehen zu lassen; Wissen, wann es Abschied nehmen heißt; Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen, was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.“

Und mein Herzensspruch ist:
„Der Tag, an dem ich dich, liebste Freundin, für immer vergessen werde, wird der Tag sein, an dem ich meine Augen für immer schließen werde, und selbst dann wirst du für immer in meinem Herzen sein.“

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