Trauergedichte von Friedrich Wilhelm Nietzsche

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

Heimkehr

Das war ein Tag der Schmerzen,
Als ich einst Abschied nahm;
Noch bänger war’s dem Herzen,
Als ich nun wiederkam.
Der ganzen Wandrung Hoffen
Vernichtet mit einem Schlag!
O unglücksel’ge Stunde!
O unheilvoller Tag!

Ich habe viel geweinet
Auf meines Vaters Grab,
Und manche bittre Träne
Fiel auf die Gruft herab.
Mir ward so öd‘ und traurig
Im teurem Vaterhaus,
So daß ich oft bin gangen
Zum düstern Wald hinaus.

In seinen Schattenräumen
Vergaß ich allen Schmerz;
Es kam in stillen Träumen
Der Friede in mein Herz.
Der Jugend Blütenwonne,
Rosen und Lerchenschlag
Erschien mir wenn ich schlummernd
Im Schatten der Eichen lag.

Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 1844 – † 1900)

 

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