Ich trauere um meinen Sohn, seit 14 Monaten…so lange Zeit schon…oder doch so kurz?

Veröffentlicht: 15. Februar 2016

Ich trauere um meinen Sohn, seit 14 Monaten…so lange Zeit schon…oder doch so kurz?

24 Jahre hat er einen großen Platz in meinem Leben eingenommen, hat dazugehört, war so selbstverständlich mit dabei in unserem Alltag.

Er wohnte nicht mehr zu Hause, wir hatten jedoch regelmäßig, mehrmals die Woche, Kontakt, besuchten uns, hatten auch Differenzen, Diskussionen, unterschiedliche Meinungen… und eine tiefe, innere Vertrautheit und Liebe zueinander.
Wir wussten, jeder kann sich im Ernstfall auf den anderen verlassen. Er war ein sehr eigenwilliger und eigenständiger Mensch, liebte die Freiheit und hasste jeglichen Zwang. Er war einfach ER, und genauso einzigartig wie er war, genauso vermisse ich ihn täglich aufs Neue.

Ich spüre nach all den Monaten immer wieder, wie fassungslos ich manchmal bin und wie unmöglich und irreal mir sein Tod erscheint.
Ich lebe nach außen den Alltag… jedoch viel zurückgezogener und ruhiger als zuvor. Ich lebe in Zeitlupe….und fühle mich trotzdem manchmal wie im „Zeitraffer“. Ich werde an manchen Tagen gedanklich in frühere Zeiten zurückgeworfen und versinke in Erinnerungen an die Zeiten, wo die Welt für mich noch heil schien und ich mich noch über Alltagsprobleme aufregen konnte. Das kann ich momentan nicht mehr…neben dem Tod scheint mir vieles so unwichtig.
Ich habe noch zwei erwachsene Kinder und liebe diese sehr, aber dieses eine „verlorene Kind“ ist und bleibt unersetzbar. Ich lebe weiter, führe aber eine Art „Doppel-Leben“:
Eines für die „Außen- und Umwelt“…und eines, zu dem nur die wenigsten Menschen Zugang haben, zu dem ich selbst manchmal kaum Zugang finde.

Ich habe meinem Sohn das Leben „geschenkt“….wie es so schön heißt…er hat das Geschenk zurückgegeben, wollte oder konnte es nicht mehr haben…hat sich für den Tod entschieden, und sich mit einem Brief von uns verabschiedet…….ich habe das zu akzeptieren, mal fällt es leichter, mal schwerer…aber fehlen wird er immer.

Seine Lücke, das „Loch“ in meinem Herzen, die atemlosen Momente des tiefen Schmerzes, sie begleiten nun mein Leben und ich werde lernen, damit umzugehen.
Er war ein Geschenk des Lebens an mich….und ich hatte viel Freude zusammen mit ihm….ich bleibe immer seine Mutter ….und immer wieder gehen mir, so wie jetzt, die Worte aus und ich bleibe einfach sprachlos zurück….

 

trauerredaktion26

 

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13 Kommentare:

  1. geschrieben am 15.02.16 um 11:03 von Maika

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    Auch ich habe meinen Sohn verloren, er war erst 36 Jahre alt.

  2. geschrieben am 15.02.16 um 11:03 von Kathi

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    Auch ich habe einen Sohn (31 Jh.) verloren und kann total mitfühlen.

  3. geschrieben am 15.02.16 um 11:04 von lelanife

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    Ich habe meine Tochter tot aufgefunden. Sie war 24 jahre alt. Ich kann deinen Schmerz, deine sprachlosigkeit, deine fassungslosigkeit verstehen. Mitfühlende grüße

  4. geschrieben am 11.03.16 um 11:15 von Anja Motte

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    Irgendwie erzählst du meine ganz persönliche Geschichte. Ich habe meinen Sohn vor sechs Wochen verloren. Er war zwanzig Jahre alt.

  5. geschrieben am 04.04.16 um 16:01 von Gabriele

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    Ich habe meinen geliebten Sohn im November 2015 durch ein schreckliches Unglück verloren. Wie gut kann auch ich Dich verstehen. Traurige Grüße

  6. geschrieben am 27.06.16 um 11:36 von Verena Hansen

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    Auch ich habe meine Tochter am 11.3.2016 Tod auffinden müssen .
    Seid dem existiere ich nur und muss jeden Tag an Sie denken . Sie fehlt mir so unendlich , einfach immer . Sie war gerade 18 Jahre jung .
    Zur Zeit mache ich eine Therapie , die ganz gut tut , aber ich finde es einfach nur schwer zur Zeit ohne sie . Ich kann das was Du schreibst so gut verstehen .

  7. geschrieben am 07.07.16 um 19:16 von Daniela

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    Es ist ein riesen Kraftaufwand wieder ins Leben iergendwie zurück zu finden.So schmerzvoll und einfach unvorstellbar! Auch ich habe meinen Sohn mit nur 20 Jahren durch einen Verkehrsunfall verloren.Er ist nach Thailand alleine in Urlaub geflogen.Er wollte sich seinen Traum erfuellen.Mit dem ausgeliehenen Roller verunglückte er nach einer Woche dort tödlich.
    Dauernd über Whatsap in Kontakt….bis plötzlich nichts mehr kam.Ich drehte ab….Nachts kam die Nachricht vom Resortinhaber.“Please call me, Daniel has a problem“.Kurz darauf die Bestaetigung der Deutschen Botschaft.Horror!
    Ich bin alleinerziehend und habe noch einen 14 jährigen Sohn….Absoluter Albtraum.Nur seine Asche kam heim….mit seinem Koffer.Nun sind es „erst 6 Monate her“.Jeder Tag ist so verdammt schweer dieses zu realisieren.Man muss Stark sein,hört man dauernd.Wie????
    Fassade,nach aussen hin.Innerlich gebrochen.Die hälfte Deiner Seele geht,wenn Dein Kind stirbt.
    Lass uns an die unendliche Liebe für unsere Kinder denken.Denn diese bleibt für immer zurück.

  8. geschrieben am 29.08.16 um 18:55 von Angelika

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    Mein 1.Sohn ist nur 4 Mon geworden der zweite wurde nur 36 Jahre alt.
    Ich komme einfach nicht damit klar, das meine Kinder nicht mehr da sind.

  9. geschrieben am 29.08.16 um 23:07 von Kizarmis Gülfere

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    Ich habe meinen geliebten Sohn der ein Engel war im Dezember 2015 durch ein schreckliches Unglück verloren. Man hat sich um meinen Sohn nicht nachgeschaut wo er Epilepsie Anfall bekommen hat. Er ist Verstorben. Ich traue um mein Kind, komme auch nicht damit klar, kann all die Mütter sehr gut verstehen. Die Einrichtung hat sich aus der Verantwortung heraus geredet. Ich kämpfe zurzeit um Gerechtigkeit zu finden, dass bin ich meinen Sohn schuldig.Er wurde nur 27 Jahre alt.

  10. geschrieben am 18.09.16 um 09:44 von Angelika Geib

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    Ich bin Mama von 2 Kindern und meine einzige Sorge im Leben ist Sie zu verlieren! Ich werde nie verstehen warum jemand das schmerzhafteres erleben muss? Wo ist da der Gott???? Ich wünsche euch allen Kraft und schicke mein Tiefes Beileid.eines Tages werdet ihr wieder mit euren Kindern zusammen sein!!!!!

  11. geschrieben am 15.10.16 um 03:07 von Klaus Weiss

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    Auch wir haben unseren Sohn am 12.6.2011 durch einen sehr tragischen Verkehrsunfall im Alter von 20 Jahren verloren.
    Es ist nun schon über 5 Jahre her und ich denke und fühle ähnlich wie die Verfasserin. In vielen der Zeilen sehe ich mich wieder, eine Lösung kann ich leider auch nicht nennen. Immer weiter machen, irgendwie, aber ist es das wert? Ich weiß auch nicht, die richtigen Worte zu finden, sind wirklich sehr schwer oder gar unmöglich.Ich wünsche alles Gute für die Verfasserin und allen anderen auch.

  12. geschrieben am 05.03.17 um 22:01 von Roswitha Korte

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    Mein Sohn Markus wurde nur 39 Jahre alt,ich habe ihn in seiner Wohnung gefunden, da war er schon cirka 3 Tage Tod.Er war seit seinem 4 Lebensjahr an Diabetes erkrankt,ich habe mir immer Sorgen gemacht,das mir schon den Hausschlüssel abgenommen hat u.böse war weil ich oft vor der Tür stand wenn er sich ein paar Tage nicht gemeldet hat,ihn alleine tagelang Tod im Flur liegend zu wissen ist manchmal nicht zu ertragen,diesen Schmerz sein Kind zu beerdigen können auch nur wir Mutter verstehen die es selber durchmachen, e

  13. geschrieben am 25.11.18 um 12:44 von rosenna

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    An alle, die ihre Kinder verloren haben: Mein aufrichtiges Beileid. Auch ich habe meinen Sohn mit 21 Jahren verloren. Er war vor einem Monat zu Fuß unterwegs, als eine U-Bahn ihn tödlich erfasste. Schrecklich!!!

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