Gedanken zur Weihnachtszeit – Trauerforum

Veröffentlicht: 11. Februar 2016

Gedanken zur Weihnachtszeit

Draußen ist es kalt, die Luft klirrt und bei jedem Atemzug kann ich die Luft sehen, die aus mir strömt.
Die Kälte, die in meinem Inneren herrscht, die bleibt unsichtbar für Euch. Sie ist viel schneidender, als die Kälte draußen und man kann sich nicht vor ihr schützen, indem man einen warmen Schal um den Hals legt.
Es ist eine Kälte, die mich so sehr schmerzt, mich so oft verzweifeln lässt.

Ich gehe durch die Straßen, sehe Menschen, die hektisch die letzten Geschenke für ihre Lieben kaufen.
Manche stehen in kleinen Grüppchen auf dem Weihnachtsmarkt und frohlocken der schönen Dinge, die sie gerade gekauft haben. Der heiße Glühwein wärmt sie von innen und ihre Augen strahlen. Oft wende ich mich ab und mein Blick bleibt bei einem Kind hängen, das verträumt vor dem großen Baum auf dem Marktplatz steht. Ich möchte mir vorstellen, wie sein großer Wunsch hoch zum Weihnachtsmann fliegt und er es dann pünktlich am Heiligen Abend dem Kind bringt.

Dann denke ich an das Kind, welches ein solches Fest nie mehr erlebendarf. Nie erleben durfte. Er liegt in der Kälte des Winters, sein Grab verborgen unter grünen Tannen. Es sind die Kerzen für ihn entzündet und er ist uns so nah. Ein Engelchen hier, ein kleiner Kobold da, aber nichts kann darüber hinweg täuschen, dass wir ihn nie mehr in den Arm nehmen werden. Nie werde ich seine strahlenden Augen sehen können, wenn er vor dem Christbaum steht. Die Feste der Liebe, der Nähe, der Familie; so wollten wir sie nie erleben!trauerkerze0289

Ich versuche mich von meinen Gedanken zu befreien und schaffe es doch nie so ganz.

Ich versuche, ein anderes Weihnachten zu spüren. Eines, was wichtiger ist, als all die teuren Geschenke unter dem Baum.
Ich versuche, etwas zu geben, was ich einem anderem kleinen Menschen nicht mehr geben kann. Meine Zeit, meine Liebe, meine Familie.
Es ist mir ein Greuel geworden, zu wissen, dass es Menschen gibt, die dieses Fest alleine verbringen sollen. Menschen, die durchaus eine Familie haben, aber von ihr „vergessen“ werden.

Der kleine Junge lebt in den Herzen weiter, aber es gibt Menschen, die noch hier bei uns sind und „vergessen“ werden. Wird dieser Mensch erst wieder in den Gedanken auftauchen, wenn er gestorben ist?

Ich habe diesen Menschen eingeladen am Heiligen Abend. Er soll nicht alleine sein müssen, soll nicht vergessen sein.
Als ich ihn fragte, ob er bei uns sein möchte an diesem Tag, ging ein Lächeln über sein Gesicht und ich spürte, dass ein wenig von der Kälte abfiel.
Weihnachten möchte ich so gerne frei sein von all dem materiellen Chaos, aber man hat selber Kinder, die einfach noch zu klein sind, um dies zu verstehen. Aber ich selber, ich habe mir ein bisschen von meinem Weihnachten nach Hause geholt.
Dem kleinen Jungen kann ich eine kleine Kerze bringen, mehr bleibt mir nicht. Meine Gedanken werden sehr oft in dieser Nacht bei ihm sein.

Die Wärme aber, ist nicht ganz erloschen. Jemand, der sie braucht, wird sie spüren können. Es wird der einsame Mann sein und niemand wird je wissen, ob er sich in der Stunde seines Todes nicht daran erinnern wird.

 

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