Frohe Weihnachten – Mit bleibt nur ein Grab und Erinnerungen

Veröffentlicht: 4. Februar 2016

Frohe Weihnachten – Mit bleibt nur ein Grab und Erinnerungen

Schon allein der Gedanke daran lässt mein Herz schmerzen. Was soll ich denn Weihnachten ohne Dich? Wie kann ich es anstellen, dass Weihnachten ausfällt? Wo kann ich hin, um Weihnachten zu entkommen?

Fröhliche Weihnachten!

Jeder wartet auf diese Zeit, freut sich und ich? Ich habe Angst davor. Mir bereiten die Gedanken an die Feiertage Schmerzen. Als ob jemand mir mit einem Messer ganz langsam durchs Herz stechen würde. Wenn ich die Augen zumache, dann sehe ich Dich mit mir den Weihnachtsbaum schmücken und jetzt soll ich das alleine für mich tun? Oder soll ich den Baum für die Anderen schmücken, damit sie denken, meine Welt dreht sich weiter?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie ich die Tage überleben soll. Die fröhlichen Gesichter in den Geschäften, die nach passenden Geschenken suchen, machen mich aggressiv. Die Menschen können nichts dafür. Am liebsten bin ich zu Hause, damit ich nicht viel davon mitbekomme, was draußen vorgeht. Ich kann die Zeit nicht anhalten. Ich kann Dir nichts mehr schenken; alles was mir bleibt ist Dein Grab und die Erinnerungen, die sehr lebendig sind, an unsere letzte Weihnacht. Weihnachtsvorfreude ist gleich null.
Unsere Weihnachten waren ein Fest der Liebe, ein Fest der Familie, denn Du warst meine Liebe und nun bin ich alleine hier und schreibe diese Zeilen in meinem Tagebuch nieder.

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Unsere Weihnachten waren so wunderschön, so herzlich, so unbeschreiblich und nun bin ich allein und habe keine Kraft, diese Tage zu überstehen. Meine Liebe zu Dir ist kein Stück kleiner geworden, deswegen schmerzt es so sehr, diese Tage, alle Tage ab Tag X, nicht mehr mit Dir verbringen zu dürfen. Ich fühle mich in Dunkelheit und die Lichter von Weihnachten können meine Welt nicht erleuchten.

trauerforum005Ist es verkehrt von Weihnachten eine Auszeit zu nehmen? Ist es verkehrt Weihnachten nicht mehr zu feiern? Oder ist es ein Gefühl, das sich irgendwann verändern wird? Ich finde im Moment keine Antworten.

Die Erwartungen der Anderen an mich sind zu hoch. Ich soll zu unserem Patenkind, aber kann ich die Maske aufsetzen und so tun, als ob nichts passiert wäre? Kann ich am Heiligen Abend meine Trauer für ein paar Sekunden in den Hintergrund drängen und den Schmerz abschalten? Ich weiß es nicht…..

Für die Anderen ist es leicht zu sagen: „Es wird schon werden!“, „Es sind Tage, wie jeder andere!“, „Kopf hoch, es wird schon nicht so schlimm sein, hast ja Deine Familie um Dich!“ usw. Ich habe meine Familie, für die ich sehr dankbar bin. Das eine kann aber das andere nicht ersetzen! Ich hatte die Zukunft mit Dir geplant! Mit Dir wollte ich alt werden und noch so viele Weihnachten verbringen…..

An diese Zeilen erinnere ich mich, als ob ich sie gestern geschrieben hätte. Angst vor den ersten Weihnachten, die mir bevorstanden. Ich habe mir einen Plan zurecht gelegt, der abgearbeitet werden musste. In jeder Minute, in jeder Sekunde, in der dieser Plan sich nicht mehr in Ordnung angefühlt hätte, habe ich mir geschworen, neu entscheiden zu dürfen und diesen Plan zu verändern.
Diese Weihnachten sollten sich für mich und meine Seele in Ordnung anfühlen. Für mich und meinen Schmerz aushaltbar sein. Es waren meine Weihnachten, die ich überleben musste, nach dem größten Verlust meines Lebens. Mir wurden meine Pläne für die Zukunft geraubt!

Morgens am Heiligen Abend fuhr ich zum Grab und habe es mit viel Liebe weihnachtlich geschmückt.
Das Grab mit Tannenzweigen bedeckt, ein paar Kugeln auf Dein Grab gelegt. Ein kleiner Weihnachtsbaum wurde von mir auf Dein Grab gestellt und geschmückt. Leise Weihnachtslieder gesungen oder eher vor mich hin gesummt. Eine Tasse Kakao zum aufwärmen, gegen die Kälte trank ich und vergoss sehr viele Tränen.

 

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Mein Gedanke war: „Unser Weihnachtsbaum steht jetzt auf dem Friedhof, denn dort habe ich von Deiner menschlichen Gestalt hier auf Erden Abschied genommen. Was die Anderen denken, ist mir egal. Ich muss für mich einen Weg finden, damit zurecht zu kommen.
Und dort ist Dein Körper. Deine Seele begleitet mich an manchen Tagen, aber dort wurde Dein Körper zur letzten Ruhe gebettet. Ein Ort, an den ich zur inneren Ruhe kehrte.“
Deine Weihnachtsbärchen setzte ich unter den Baum und zündete eine Kerze an. Mehr konnte ich nicht tun, als das Stück der Erde, die mir heilig ist, schön zu gestalten.

trauerforum004Nach diesem Ritual, das mir eine Menge Kraft für diesen Tag gab, fuhr ich zu meinen Eltern. Eine sehr lange Fahrt, über 300 km, auf der ich mir Gedanken machte, wie wird meine Familie auf mich reagieren? Werden wir gemeinsam um Dich weinen? Es waren bis dahin leise Weihnachten; Weihnachten der Stille. Kaum Autos mehr auf der Straße, keine Hektik, keine Menschenmengen wie die Tage zuvor in der Stadt.

Meine Familie umarmte mich herzlich, ohne „Frohe Weihnachten“ zu sagen. Meine Mutter deckte mit mir den Tisch, für Dich mit, auch wenn dein Platz leer blieb, so bist Du bei uns gewesen. Als wir die Kerze am Tisch angezündet haben, wurde Dein Name genannt. Wir haben uns an die letzten Weihnachten erinnert, über Dich gesprochen und als wir gemeinsam am Weihnachtsbaum saßen, haben wir gemeinsam um Dich geweint. Es ist ein anderes Weihnachten gewesen. Ein Weihnachten der Gefühle, begleitet von Trauer und Traurigkeit. Nach dem Abendmahl habe ich mich entschieden, wieder zurückzufahren. Ein kurzer Besuch, aber ich hatte einen Plan vor mir.

Gegen 21 Uhr kam ich bei unserem Patenkind an, brachte Geschenke mit und ließ mir sehr wenig anmerken, wie schwer es war, dort zu sein. In Gedanken wollte ich sofort wieder weg. Das Lachen der Kinder passte zu meinem stillen Weihnachten nicht, also entschied ich mich umzuplanen und nach einer Stunde wieder zu gehen. Ich wurde gebeten noch zu bleiben, aber meine Antwort war: „Ich muss zum Grab, es ist Weihnachten, das Fest der Liebe.“ Die Augen der Anwesenden füllten sich mit Tränen, sie wollten mich begleiten, aber ich lehnte dankend ab. Meine Welt stand still, mein Leben war zerbrochen, ich mochte einfach jetzt alleine sein. Keine Menschen um mich haben.

Am Grab angekommen, vergoß ich weitere Tränen und zündete über 30 Kerzen an. Das Grab sollte leuchten. In mir kehrte Ruhe, innerer Frieden ein. Ich blieb am Grab und schaute den Kerzen zu, wie sie mir in der Dunkelheit Licht gespendet haben. Dann sagte ich laut: „Frohe Weihnachten Schatz, egal wo Du jetzt bist, ich fühle, dass Du tief in meinem Herzen bist und der Tod kann unsere Liebe nicht beenden. Ich wäre gerne jetzt bei Dir, aber was bringt es denn, mein Leben zu beenden, damit Weihnachten meine Mutter, meine Familie am Grab stehen und weinen?“

trauerforum003Auf der Fahrt vom Friedhof nach Hause, machte ich das Radio an und lauschte der Weihnachtsmusik und zwischendurch der Stimme des Moderators, der auch an diesen Abend alleine in seinem Sendestudio war. Ich machte einen kleinen Umweg zu einer Kirche, in der ich Kerzen angezündet habe. Still sitzend dachte ich über meine Angst nach, dass ich diesen Schmerz nicht überleben würde, aber dankbar war, dass ich mich diesem gestellt habe.
Den ersten und zweiten Weihnachtstag fuhr ich zum Grab. Ich vergoß viele Tränen der Sehnsucht und war irgendwann froh, als Weihnachten vorüber war.

Die Weihnacht hat sich in meiner Trauer verändert. Es kommt nicht mehr auf die Geschenke an,was schenke ich wem?
Denn die Zeit, die ich an Weihnachten mit Menschen, die mir nahe sind, verbringe, ist viel mehr wert. Ich habe das Ritual bis heute beibehalten, dass ich einen Tag vor Heilig Abend oder morgens am Heiligen Abend das Grab schmücke und so auch dem Garten der Ruhe und des Friedens, Weihnachten einen Platz gebe.

Das erste Weihnachten war ich ein bisschen gelähmt von der Angst, die ich vor Weihnachten hatte. Das zweite Weihnachten wusste ich, wie es sich anfühlt, dieses ohne einen geliebten Menschen zu verbringen.
Aber die Liebe, die Erinnerungen und die Dankbarkeit lassen zu, dass es wieder ein Weihnachten zu Hause gibt. Ich schmücke zu Hause einen Weihnachtsbaum und habe Weihnachten nicht aus meinem Leben gestrichen.

Ich erlebe Weihnachten intensiver. Ich habe Menschen um mich herum, die mir wichtig sind und bin für jedes Weihnachten dankbar, an dem ich die Stimmen der Menschen hören kann, die mir ans Herz gewachsen sind.
Man sagt, dass nichts ewig ist. Diesem Satz widerspreche ich, denn die Liebe ist ewig und die kann uns kein Mensch nehmen!

Weihnachten ist mir sehr wichtig geworden, noch wichtiger als es als Kind war, obwohl ein weinendes Auge bleibt. Aber meine Sehnsucht ist nicht nur an Weihnachten da, sondern jeden Tag sehr stark.

 

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7 Kommentare:

  1. geschrieben am 04.02.16 um 03:35 von Heike

    antworten

    Mir fehlen die Worte…Genauso fühle ich auch…

  2. geschrieben am 04.02.16 um 03:36 von Lisaffm

    antworten

    Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen

  3. geschrieben am 04.02.16 um 03:37 von Samira88

    antworten

    Wie halten wir das aus???
    Es zerreißt mir das Herz nur daran zu denken….
    Und es wird nie mehr so werden weil du fehlst mein Schatz :'(

  4. geschrieben am 08.02.16 um 19:30 von peggy

    antworten

    Meine Welt steht auch seit 3 Wochen still😢 und die Verzweiflung wird jeden tag schlimmer….

  5. geschrieben am 06.03.16 um 16:49 von Rosemarie Seufert

    antworten

    Ich fühle von ganzem Herzen mit.
    Der Schmerz ist seit drei Jahren mein Begleiter.
    Es ist schwer und nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen lässt mich gerade noch überleben.
    Ich wundere mich auch jeden Tag, wie man dies alles ertragen kann ohne einfach zu zerbrechen.

  6. geschrieben am 25.10.16 um 16:24 von Heidi

    antworten

    Auch ich habe Angst vor Weihnachten ohne meinen geliebten Sohn. Er hat Weihnachten geliebt und wollte immer das es ein schönes Fest für seine Kinder und uns wird. Jetzt steht dieses Fest in 2 Monaten an und ich will es es genauso wie andere aus der Familie nie mehr feiern . Ein geliebter Mensch wird fehlen , er wird immer fehlen.
    Ich werde am Heiligabend an sein Grab gehen und es in ein Lichtermeer verwandeln, diese Lichter sollen bis zum Himmel leuchten und ihm sagen : Wir lieben und vermissen Dich , unbeschreiblich !

  7. geschrieben am 27.09.18 um 08:37 von Martina Dravenau

    antworten

    So wird es mir in diesem Jahr ergehen. Ich habe angst davor, zumal ich keine Familienangehörigen mehr habe.

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