Trauergedichte von Ferdinand Freiligrath

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Ferdinand Freiligrath

 

O lieb’, solang du lieben kannst!
O lieb’, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Und sorge, dass dein Herze glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,
Solang ihm noch ein ander Herz
In Liebe warm entgegenschlägt!

Und wer dir seine Brust erschließt,
O tu ihm, was du kannst, zulieb’!
Und mach’ ihm jede Stunde froh,
Und mach’ ihm keine Stunde trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,
Bald ist ein böses Wort gesagt!
O Gott, es war nicht bös gemeint, –
Der andre aber geht und klagt.

O lieb’, solang du lieben kannst!
O lieb’, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Dann kniest du nieder an der Gruft
Und birgst die Augen, trüb und nass,
– Sie sehn den andern nimmermehr –
Ins lange, feuchte Kirchhofsgras.

Und sprichst: O schau’ auf mich herab,
Der hier an deinem Grabe weint!
Vergib, dass ich gekränkt dich hab‘!
O Gott, es war nicht bös gemeint!

Er aber sieht und hört dich nicht,
Kommt nicht, dass du ihn froh umfängst;
Der Mund, der oft dich küsste, spricht
Nie wieder: Ich vergab dir längst!

Er tat’s, vergab dir lange schon,
Doch manche heiße Träne fiel
Um dich und um dein herbes Wort –
Doch still – er ruht, er ist am Ziel!

O lieb’, solang du lieben kannst!
O lieb’, solang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Ferdinand Freiligrath (* 1810 – † 1876)

 

trauerredaktion01

 

Trauergedichte von Francisca Stoecklin

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Francisca Stoecklin

 

An den unsterblich Geliebten

Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Aber ich weiß,
Du wartest auf mich
Jetzt und immer.
Wissend und gut.
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.

Ich sehne mich nach dir,
Nach deinen sanften Händen,
Nach deiner frommen Schönheit,
Nach deiner klugen Güte.
O ich sehne mich nach dir.

Alles, was ich habe, will ich dir schenken,
Alles was ich denke, will ich dir denken,
Ich will dich lieben in allen Dingen,
Meine schönsten Worte will ich dir singen,
All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen.
Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen.
Was ich bin, will ich dir sein.

Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt süß deine Unendlichkeit.
Weiße Seele
Unsterblich Geliebter.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe,
Im Schauer meiner Ängste,
Im Lachen meines Glücks.

Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe.

Francisca Stoecklin (* 1894 – † 1931)

 

trauerkerze045

 

Trauergedichte von Friedrich Julius Hammer

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Friedrich Julius Hammer

 

Vertraue dich dem Licht der Sterne,
Beschleicht dein Herz ein Weh,
Sie sind dir nah in weiter Ferne,
Wenn Menschen fern in nächster Näh‘;
Und hast du Thränen noch, so weine,
O weine satt dich ungesehn;
Doch vor dem Aug der Menschen scheine,
Als wär‘ dir nie ein Leid geschehn.
Um vor die selber zu bestehen,
Trägst du den Sieger in der Brust,
Doch nicht die Menschen laß es sehen,
Wie schweren Kampf du kämpfen mußt.

Friedrich Julius Hammer (* 1810 – † 1862)

 

trauerblume0132

 

Trauergedichte von Friedrich Wilhelm Kaulisch

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Friedrich Wilhelm Kaulisch

 

Mutterliebe

Wenn du noch eine Mutter hast
so danke Gott und sei zufrieden
nicht allen auf dem Erdenrund
ist dieses hohe Glück geschieden.

Sie ist dein Sein, sie ist dein werden
sie ist dein allerhöchstes Gut
sie ist dein größter Schatz auf Erden
der immer dir nur Gutes tut.

Sie hat von ersten Tage an
für dich gelebt, in bangen Sorgen
sie brachte abends dich zur Ruh
und weckte küssend dich am Morgen

Und warst du krank, sie pflegte dich
die dich in tiefem Schmerz geboren
und gaben alle dich schon auf
die Mutter gab dich nie verloren.

Wenn du noch eine Mutter hast
dann sollst du sie in Liebe pflegen
daß sie dereinst ihr müdes Haupt
in Frieden kann zur Ruhe legen.

Und hast du keine Mutter mehr
und kannst du sie nicht mehr beglücken
so kannst du doch ihr frühes Grab
mit frischen Blumenkränzen schmücken.

Ein Muttergrab, ein heilig Grab
für dich die ewig bleibende Stätte
oh wende dich an diesen Ort
wenn dich umtobt des Lebens Wilde.

Friedrich Wilhelm Kaulisch (* 1827 – † 1881)

 

trauer0310

 

Trauergedichte von Friedrich Wilhelm Nietzsche

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

Heimkehr

Das war ein Tag der Schmerzen,
Als ich einst Abschied nahm;
Noch bänger war’s dem Herzen,
Als ich nun wiederkam.
Der ganzen Wandrung Hoffen
Vernichtet mit einem Schlag!
O unglücksel’ge Stunde!
O unheilvoller Tag!

Ich habe viel geweinet
Auf meines Vaters Grab,
Und manche bittre Träne
Fiel auf die Gruft herab.
Mir ward so öd‘ und traurig
Im teurem Vaterhaus,
So daß ich oft bin gangen
Zum düstern Wald hinaus.

In seinen Schattenräumen
Vergaß ich allen Schmerz;
Es kam in stillen Träumen
Der Friede in mein Herz.
Der Jugend Blütenwonne,
Rosen und Lerchenschlag
Erschien mir wenn ich schlummernd
Im Schatten der Eichen lag.

Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 1844 – † 1900)

 

trauer069

 

Trauergedichte von Friedrich Rückert

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedichte von Friedrich Rückert

 

Ich denk’ an dich…

Ich denk’ an dich, und meine Seele ruht
In dem Gedanken aus an dich,
Dem Schiffer gleich, der aus bewegter Flut
Zum stillen Hafen rettet sich.
Als wie am Tag ein wilder Vogel fliegt,
Waldaus, Waldein, nach seiner Lust,
Doch bei der Nacht ins weiche Nest sich schmiegt,
So schmieg’ ich mich an deine Brust.
Ich ruh’ in dir, in deiner Liebe ruht
Der Drang der Seele wild und scheu;
Unsicher ist des Lebensmeeres Flut,
Und du allein bist ewig treu.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

 

Ein tröstlicher Gedanke …

Engel umschweben uns,
Wo wir auch gehn,
Engel umgeben uns,
Wie wir uns drehn.
Doch wir erkennen sie
Nicht in dem Licht,
Und zu benennen sie
Wissen wir nicht.
Selber zu blenden uns
Scheinet der Glanz,
Wir von ihm wenden uns
Halb oder ganz.
Aber nun haben wir
Engel ein Paar,
Denen ja gaben wir
Namen fürwahr.
Und nicht vergaßen wir:
Wirklich einmal
Selber besaßen wir
Leiblich den Strahl.
Sollten wir wenden uns
Ab von dem Glanz?
Sollten verblenden uns
Halb oder ganz?
Nein! wir erkennen euch
Freudig im Licht,
Und zu benennen euch
Zweifeln wir nicht.
Lächelnd ihr gebet uns
Wohl zu verstehn,
Daß ihr umschwebet uns,
Wo wir auch gehn.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

Des fremden Kindes heiliger Christ

Es läuft ein fremdes Kind
am Abend vor Weihnachten
durch eine Stadt geschwind,
die Lichter zu betrachten,
die angezündet sind.

Es steht vor jedem Haus
und sieht die hellen Räume,
die drinnen schaun heraus,
die lampenvollen Bäume;
weh wird’s ihm überaus.

Das Kindlein weint und spricht:
„Ein jedes Kind hat heute
ein Bäumchen und ein Licht,
und hat daran seine Freude,
nur bloß ich armes nicht!

„An der Geschwister Hand,
als ich daheim gesessen,
hat es mir auch gebrannt;
doch hier bin ich vergessen
in diesem fremden Land.

„Läßt mich denn niemand ein
und gönnt mir auch ein Fleckchen?
In all’ den Häuserreih’n,
ist denn für mich kein Eckchen,
und wär’ es noch so klein?

„Läßt mich denn niemand ein?
Ich will ja selbst nichts haben,
ich will ja nur am Schein
der fremden Weihnachtsgaben
mich laben ganz allein!“

Es klopft an Tür und Tor,
an Fenster und an Laden,
doch niemand tritt hervor,
das Kindlein einzuladen;
sie haben drin’ kein Ohr.

Ein jeder Vater lenkt
den Sinn auf seine Kinder;
die Mutter sie beschenkt,
denkt sonst nichts mehr noch minder.
Ans Kindlein niemand denkt.

„O lieber, heil’ger Christ!
Nicht Mutter und nicht Vater
hab ich, wenn du’s nicht bist.
O sei du mein Berater,
weil man mich hier vergißt!“

Das Kindlein reibt die Hand,
sie ist von Frost erstarret;
es kriecht in sein Gewand
und in dem Gäßlein harret,
den Blick hinaus gewandt.

Da kommt mit einem Licht
durchs Gäßlein hergewallet,
im weißen Kleide schlicht,
ein ander Kind; – wie schallet
es lieblich, da es spricht:

„Ich bin der heil’ge Christ,
war auch ein Kind vordessen,
wie du ein Kindlein bist.
Ich will dich nicht vergessen,
wenn alles dich vergißt;

Ich bin mit meinem Worte
bei allen gleichermaßen;
ich biete meinen Hort
so gut hier auf den Straßen,
wie in den Zimmern dort.

Ich will dir deinen Baum,
fremd’ Kind, hier lassen schimmern
auf diesem offnen Raum
so schön, daß die in Zimmern
so schön sein sollen kaum.“

Da deutet mit der Hand
Christkindlein auf zum Himmel,
und droben leuchtend stand
ein Baum voll Sterngewimmel
vielfältig aufgespannt.

So fern und doch so nah,
wie funkelten die Kerzen!
Wie ward dem Kindlein da,
dem fremden, still zu Herzen,
das seinen Christbaum sah!

Es ward ihm wie im Traum;
da langten hergebogen
Englein herab vom Baum
zum Kindlein, das sie zogen
hinauf zum Lichten Raum.

Das fremde Kindlein ist
zur Heimat nun gekehret
bei seinem heil’gen Christ;
und was hier wird bescheret,
es dorten leicht vergißt.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

 

Du bist ein Schatten am Tage
und in der Nacht ein Licht.

Du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich auch nach dir frage,
finde ich von dir Bericht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
da wohnst Du bei mir dicht.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

 

Du bist ein Schatten am Tage
Und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
Da wohnst du bei mir dicht;
Du bist mein Schatten am Tage
Und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage,
Find‘ ich von dir Bericht,
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage,
Doch in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
Und stirbst im Herzen nicht.

Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 – † 31. Januar 1866)

Trauergedichte von Friedrich von Schiller

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Friedrich von Schiller

 

Rasch tritt der Tod den Menschen an,
es ist ihm keine Frist gegeben,
es stürzt ihn mitten in die Bahn,
es reißt ihn fort vom vollen Leben.
Bereitet oder nicht, zu gehn,
er muß vor seinem Richter stehn.

Friedrich von Schiller (* 10. November 1759 – † 9. Mai 1805)

 

trauerblume030

 

Trauergedichte von Fritz Reuter

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Fritz Reuter

 

Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.

Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.
Gib mir den Namen, den du mir immer gegeben hast.

Sprich mit mir, wie du es immer getan hast.
Gebrauche nicht eine andere Lebensweise.

Sei nicht feierlich oder traurig.
Lache weiterhin über das,
worüber wir gemeinsam gelacht haben.

Ich bin nicht weit weg,
ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.

Fritz Reuter (* 1810 – † 1874)

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Trauergedichte von Gustav Falke

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedichte von Gustav Falke

 

Ich hatte große Schmerzen still durchlitten,
Und einsam ging ich durch das Frühlingsfeld,
Und fühlte mich so arm inmitten
Der reichen Fülle, die mich sonst beglückte.
Ich, der sich gern nach jeder Blume bückte –
Leben, wo blieb dein Held?

Da streckten Schattenarme meiner Trauer
Sich treu entgegen: mein geliebter Wald.
Verbirgst du hinter deiner grünen Mauer,
Was ich so suche? Und ich ging,
Bis mich die grüne Stille ganz umsing;
Da kam der Friede auch, kam bald.

Er führte mich auf eine helle
Waldwiese hin, durch die ein Wasser lief.
Die Sonne lag auf Kräuter und auf Quelle,
Und auf dem Scheitel eines schönen Weibes,
Das dort, wie reglos, nackten Götterleibes,
Auf weißen Anemonen schlief.

Und näher trat ich, und sie schlief nicht, blickte
Mich ohne Gruß mit großen Augen an,
Und über ihre weiße Schulter nickte
Leis eine einzige rote Lilie. Lange
Stand ich, wie unter einem Zauberzwange,
Und sah sie an.

Da spricht sie, spricht mit jener süßen Stimme,
Die nie mein Herz, nicht über den Tod, vergißt.
– O, ruf‘ das schlimme
Zehrende Sehnen nicht aus seinem Schlummer,
Weck‘ nicht den eben eingelullten Kummer! –
Sanft wie Musik klingts, die vom Himmel ist:

„So findest du den Weg zum Leben wieder?
Denkst noch der Quelle, die sich nie verschließt?
Komm denn an meine Seite nieder,
Und schöpf‘ und freue dich der Welle,
Die hier aus dieser tiefen Quelle
Für alle kranken Herzen fließt.

Was willst du dich an deine Schmerzen hängen?
Nein, pack‘ der zu Boden drängen,
Reißt sie dich flügelhoch zurück
Ins heitere Licht und in dein altes Glück!“
Sie schwieg und bot mir ihre Hand.

Da sank ich hin und schöpfte, trank und fühlte
Jungfrohen Mut, lebendig jeder Sinn,
Ein totes Blatt, vom Regen weggespült,
Fiel ab, was lange an mir zehrte,
Von meinem roten Blut sich nährte,
Und jubelnd rief ich: Leben, nimm mich hin!

Und Brust an Brust, und alle Pulse singen
Ein Lied der Kraft. Der Sonnenschein,
Als wollt‘ der Freude er ein Festkleid bringen,
Bricht durchs bewegte Laub in goldnen Flüssen,
Da, trunken von des Lebens Küssen,
Da, plötzlich, denk ich dein.

Des Lebens tiefe Augen glühten
Mit grauem Märchenblick mich an:
Du! Deine Augen, die wie Sterne blühten,
Zwei wundersame, blasse Schicksalssterne,
Aus deiner keuschen Mädchenferne
So rätselsüß in meine Seele sahn.

Und wilder stürzt
Nun Kuß um Kuß sich auf des Lebens Mund.
Und alle Lust, um die ich mich verkürzt,
Ein Narr der Scham, saug‘ ich mit seligem Schlürfen.
Ich halt‘ den Becher und nicht trinken dürfen?
Nein, Herz, jetzt trink, trink satt dich und gesund!

Gustav Falke (* 1853 – † 1916)

 

trauerblume028