Trauergedichte von Adalbert Stifter

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Adalbert Stifter

 

Nun sind sie vorüber, jene Stunden,
Die der Himmel unsrer Liebe gab,
Schöne Kränze haben sie gebunden,
Manche Wonne floss mit ihnen ab.

Was der Augenblick geboren,
Schlang der Augenblick hinab,
Aber ewig bleibt es unverloren,
Was das Herz dem Herzen gab.

Adalbert Stifter (* 1805 – † 1868)

 

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Trauergedichte von Adelbert von Chamisso

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Adelbert von Chamisso

 

Lebe wohl

Wer sollte fragen: wie’s geschah?
Es geht auch Andern eben so.
Ich freute mich, als ich dich sah,
Du warst, als du mich sah’st, auch froh.

Der erste Gruß, den ich dir bot,
Macht‘ uns auf einmal beide reich;
Du wurdest, als ich kam, so roth,
Du wurdest, als ich ging, so bleich.

Nun kam ich auch Tag aus, Tag ein,
Es ging uns beiden durch den Sinn;
Bei Regen und bei Sonnenschein
Schwand bald der Sommer uns dahin.

Wir haben uns die Hand gedrückt,
Um nichts gelacht, um nichts geweint,
Gequält einander und beglückt,
Und haben’s redlich auch gemeint.

Dann kam der Herbst, der Winter gar,
Die Schwalbe zog, nach altem Brauch,
Und: lieben? – lieben immerdar? –
Es wurde kalt, es fror uns auch.

Ich werde geh’n in’s fremde Land,
Du sagst mir höflich: Lebe wohl!
Ich küsse höflich dir die Hand,
Und nun ist alles, wie es soll.

Adelbert von Chamisso (* 1781 – † 1838)

 

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Trauergedichte von Arthur Schopenhauer

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Arthur Schopenhauer

Einige Menschen haben die Gabe Engeln zu begegnen!
Andere Menschen haben die Kraft,
diese Engel wieder gehen zu lassen!
Ihr seid ganz besondere Menschen:
Ihr hattet die Gabe und die Kraft
und Euer Engel bleibt für immer in Euren Herzen!

Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 – † 21. September 1860)

 

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Trauergedichte von Augustinus

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Augustinus

 

Trennung ist unser Los,
Wiedersehen ist unsere Hoffnung.
So bitter der Tod ist,
die Liebe vermag er nicht zu scheiden.
Aus dem Leben ist er zwar geschieden,
aber nicht aus unserem Leben;
denn wie vermöchten wir ihn tot zu wähnen,
der so lebendig unserem Herzen innewohnt!

Augustinus (*13. November 354 – † 28. August 430)

 

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Trauergedichte von Charles Henry Brent

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Charles Henry Brent

 

Was ist sterben?
Ein Schiff segelt hinaus und ich beobachte wie es am Horizont verschwindet.
Jemand an meiner Seite sagt: „Es ist verschwunden.“

Verschwunden wohin?
Verschwunden aus meinem Blickfeld – das ist alles.
Das Schiff ist nach wie vor so groß wie es war als ich es gesehen habe.
Dass es immer kleiner wird und es dann völlig aus meinen Augen verschwindet ist in mir,
es hat mit dem Schiff nichts zu tun.

Und gerade in dem Moment, wenn jemand neben mir sagt, es ist verschwunden, gibt es Andere,
die es kommen sehen, und andere Stimmen, die freudig Aufschreien: „Da kommt es!“
Das ist sterben.

Charles Henry Brent (* 9.April 1862 – † 27.März 1929)

 

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Trauergedichte von Charles Peguy

Veröffentlicht: 18. Februar 2016

Trauergedicht von Charles Peguy

 

Der Tod ist nicht.
Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
Gebraucht nie eine andere Redensweise.
Seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an mich.
Betet für mich, damit mein Name im Haus ausgesprochen wird,
so wie es immer war, ohne irgendeine besondere Bedeutung.
Ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg.

Nur auf der anderen Seite des Weges!

Charles Peguy (* 7. Januar 1873 – † 5. September 1914 )

 

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Trauergedichte von Christian Adolf Overbeck

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Christian Adolf Overbeck

 

Warum sind der Tränen
Unterm Mond so viel?
Und so manches Sehnen,
Das nicht laut sein will?

Nicht doch, liebe Brüder!
Ist das unser Mut?
Schlagt den Kummer nieder;
Es wird alles gut!

Aufgeschaut mit Freuden,
Himmelauf zum Hernn!
Seiner Kinder Leiden
Sieht er gar nicht gern.

Er will gern erfreuen,
Und erfreut so sehr;
Seine Hände streuen
Segen’s g’nug umher.

Nur dies schwach Gemüte
Trägt nicht jedes Glück,
Stößt die reine Güte
Selbst von sich zurück.

Wie’s nun ist auf Erden,
Also sollt’s nicht sein.
Laßt uns besser werden.
Gleich wird’s besser sein.

Christian Adolf Overbeck (* 1755 – † 1821)

 

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Trauergedichte von Christian Morgenstern

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Christian Morgenstern

 

Waldkonzerte…

O traure nicht!
Aus roten Morgenwolken blüht,
der blaue Tag in blasser Seligkeit …
Und über Raum und Zeit
erhebt sich mein Gemüt
zu dir.

O traure nicht!
Und bist du nicht bei mir -:
Ein Licht sind wir
und ist von mir zu dir.
Aus roten Morgenwolken blüht
der blaue Tag in blasser Seligkeit …
Und über Raum und Zeit
erhebt sich dein Gemüt.

Christian Morgenstern (* 6. Mai 1871 – † 31. März 1914)

 

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Trauergedichte von Dante Alighieri

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedicht von Dante Alighieri

 

Dantes Gebet

Als sich der dunkle Wald vor mir auftat
Und alle Pfade überwachsen waren
Wenn die Priester des Stolzes sagen dass es keinen anderen Weg gibt
Bebaute ich den Kummer der Steine

Ich glaubte nicht weil ich nicht sehen konnte
Doch kamst du zu mir in dieser Nacht
Als das Morgengrauen für immer verloren schien
Zeigtest du mir deine Liebe im Licht der Sterne

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele zur See
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Dann erhob sich ein Berg vor mir
Aus der tiefen Quelle meines Verlangens
Von dem Brunnen des Vergebens
Jenseits von Feuer und Eis

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele zur See
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Obwohl wir diesen bescheidenen Pfad teilen, allein
Wie zerbrechlich ist dieses Herz
Oh gib diesen Tonfüßen Flügel zum Fliegen
Um die Sterne zu berühren

Atme Leben in dieses schwache Herz
Lüfte den Schleier sterblicher Angst
Nimme diese zerbröckelten Hoffnungen, geätzt mit Tränen
Wir erheben uns über diese sterblichen Angelegenheiten

Richte deine Augen auf den Ozean
Richte deine Seele zur See
Wenn die dunkle Nacht endlos scheint
Bitte erinnere dich an mich

Dante Alighieri (* 1265 – † 1321)

 

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Trauergedichte von Eugenie Marlitt

Veröffentlicht: 20. Februar 2016

Trauergedichte von Eugenie Marlitt

 

Ein losgerissener Baum.

Weithin vom rasenden Sturm getragen
Aus trautem Waldgeheg
Liegt er verscheidend am Weg.
Durch den Wipfel, der einst so kühn
Gen Himmel getragen sein Grün,
Rauschen jetzt einsam Todesklagen.

Schmerzlich zucken die Blätter, durchzittert
Vom leisen Windeshauch,
Aus niedrem Strauch
Kriecht der Wurm
Preisend den Sturm,
Der dies stolze Leben zersplittert.

Wenn dein Mut von den Stürmen und Wettern
Des Schicksals besiegt
Sterbend erliegt,
Dann mehrt sich dein Leid
Durch Lieblosigkeit
Und Hohn, die dich gänzlich zerschmettern!

Eugenie Marlitt (* 1825 – † 1887)

 

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O trauert um edle Menschen nicht,
Wenn früh ihr Flug sich zum Jenseits gewendet!
Ein mächtiger Wille, ein göttlich Gericht
Sie haben den Engel des Todes gesendet.
Der Hülle Vernichtung erst führet zum Licht
Mit ihrem Zerfall ist die Prüfung geendet
So wie ja der Meister die Form auch zerbricht
Wenn er seine herrliche Schöpfung vollendet.

Eugenie Marlitt (* 1825 – † 1887)

 

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