• Trauergedichte 1






    Rasch tritt der Tod den Menschen an,
    es ist ihm keine Frist gegeben,
    es stürzt ihn mitten in die Bahn,
    es reißt ihn fort vom vollen Leben.
    Bereitet oder nicht, zu gehn,
    er muß vor seinem Richter stehn.


    Friedrich von Schiller (* 10. November 1759; † 9. Mai 1805)





    Schlussstück

    Der Tod ist groß,
    Wir sind die Seinen
    lachende Munds.
    Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
    wagt er zu weinen
    mitten in uns.

    Rainer Maria Rilke (4. Dezember 1875 – 29. Dezember 1926)





    Einige Menschen haben die Gabe Engeln zu begegnen!
    Andere Menschen haben die Kraft,
    diese Engel wieder gehen zu lassen!
    Ihr seid ganz besondere Menschen:
    Ihr hattet die Gabe und die Kraft
    und Euer Engel bleibt für immer in Euren Herzen!


    von Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788; † 21. September 1860)




    Eines Morgens wachst Du nicht mehr auf.

    Die Vögel singen, wie sie gestern sangen.

    Nichts ändert diesen neuen Tagesablauf.

    Nur Du bist fortgegangen.

    Du bist nun frei und unsere Tränen wünschen Dir Glück.


    Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 ; † 22. März 1832 )







    Ein guter, edler Mensch, der mit uns gelebt,
    kann uns nicht genommen werden,
    er lässt eine leuchtende Spur zurück
    gleich jenen erloschenen Sternen,
    deren Bild noch nach Jahrhunderten
    die Erdbewohner sehen.


    Thomas Carlyle (4. Dezember 1975 – 05.Februar 1881)






    Trennung ist unser Los,

    Wiedersehen ist unsere Hoffnung.
    So bitter der Tod ist,

    die Liebe vermag er nicht zu scheiden.
    Aus dem Leben ist er zwar geschieden,

    aber nicht aus unserem Leben;
    denn wie vermöchten wir ihn tot zu wähnen,

    der so lebendig unserem Herzen innewohnt!


    Augustinus (*13. November 354; 28. August 430)





    Dass wir erschraken, da du starbst,
    nein, dass dein starker Tod uns dunkel unterbrach,
    das Bis dahin abreißend vom Seither:
    das geht uns an; das einzuordnen wird
    die Arbeit sein, die wir mit allem tun.


    Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 : † 29. Dezember 1926)

    Der Tod hat keine Bedeutung -
    ich bin nur nach nebenan gegangen.

    Ich bleibe, wer ich bin,

    und auch Ihr bleibt dieselben.

    Was wir einander bedeuteten, bleibt bestehen.
    Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.

    Sprecht in der gewohnten Weise mit mir

    und ändert Euren Tonfall nicht!

    Hüllt Euch nicht
    in Mäntel aus Schweigen und Kummer.

    Lacht wie immer

    über die kleinen Scherze, die wir teilten.

    Wenn Ihr von mir sprecht, so tut es ohne Reue
    und ohne jegliche Traurigkeit.

    Leben bedeutet immer nur Leben

    - es bleibt so bestehen, immer -

    ohne Unterbrechung.

    Ihr seht mich nicht,
    aber in Gedanken bin ich bei Euch.

    Ich warte eine Zeit lang auf Euch

    - irgendwo, ganz in der Nähe -

    nur ein paar Straßen weiter.

    Henry Scott-Holland
    (* 27. Januar 1847; † 17. März 1918)


    Herbst

    Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmel ferne Gärten;

    sie fallen mit verneinender Gebärde.
    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.

    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an, es ist in allen.

    Und doch ist Einer,
    welcher dieses Fallen
    unendlich sanft
    in seinen Händen hält.

    Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 - 29. Dezember 1926)





    Er sprach zu mir:
    Halt dich an mich,
    es soll dir jetzt gelingen;
    ich geb mich selber ganz für dich,

    da will ich für dich ringen;

    denn ich bin dein,

    und du bist mein

    und wo ich bleibe,

    da sollst du sein;

    uns soll der Tod nicht scheiden.


    Martin Luther (10.November 1483 - 18.2.1546)

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