• Mein Erfahrungsbericht: Die gut gemeinten Sätze

    Auf mich hat der Spruch "Mein herzliches Beileid" nie hohl und gefühllos gewirkt.
    Es ist schließlich keine alltägliche Äußerung, sondern nur tatsächlichen Todesfällen vorbehalten.
    Es ist für mich etwas ganz Besonderes.
    Anteilnahme soll sich ja nicht in einer Stellungnahme äußern. Sie ist hauptsächlich nonverbal.

    Mit dem Spruch ist es ähnlich wie mit "Frohe Weihnachten".
    Man kann ihn einem Arbeitskollegen (vielleicht noch einem, der Weihnachten arbeitet) so im Vorbeigehen hinwerfen -vielleicht anstatt Tschüss- ,oder man kann den jenigen ansehen dabei, sich etwas Zeit dazu lassen, ihm die Hand geben.
    Das macht den Unterschied.
    Wenn ich Wochen oder Monate nach dem Tod meines Partners jemand (nicht so Nahestehendem) sagen musste, dass Micha tot ist, dann war der Schock des endgültigen Abschiedes wieder ein bisschen gegenwärtig,
    und die Beileidsäußerung versetzte mich wieder zurück, ich war wieder so betroffen wie beim Überbringen einer aktuellen Hiobsbotschaft.
    Der Beileidsspruch zeigte mir wenigstens, dass ich gehört wurde, dass der andere sich veranlasst sieht, wenigstens Respekt vor meiner Trauer zu zeigen mit einer gebräuchlichen Formel.
    Oder auch nur Hilf-undRatlosigkeit zu zeigen, das ist doch auch eine Reaktion!
    ALLES ist besser als Appelle an ein Nachlassen meiner Trauer.