• Erfahrungsberichte Meine Trauer im Internet


    Das Internet hat mir schon immer eine "Entfaltungsmöglichkeit" gegeben, die ich im realen Leben nicht in dem Umfange nutzen kann, wie ich es brauche.

    Ich bin der Typ Mensch, der etwas lieber aufschreibt als es einfach zu sagen. Ich habe oft erst etwas "unklares" im Kopf, das ich ausdrücken will. Wenn ich darüber rede, stelle ich oft fest, dass es nicht das war, was ich eigentlich aussagen wollte. Beim schreiben denke ich mehr darüber nach... kann es wieder löschen, anders formulieren... bis dann am Ende das da steht, was ich auch wirklich sagen wollte.

    Dann kommt hinzu, dass ich die Interaktion mit möglichst vielen Menschen brauche. Mit möglichst vielen Informationen, Gefühlen und Wegen, über die ich mir dann Gedanken machen kann.

    Mein Prozeß ist, dass erstmal "irgendwelche Gefühle" da sind. Sie sind da, wollen gehört, ausgelebt und verstanden werden. Das tue ich, in dem ich sie in einem Forum aufschreibe und schaue, welche Resonanz ich bekomme. Sinnlos wäre es in einem Heimtierforum über meine Trauer schreiben, weil ich da nicht die Resonanzen bekomme, die ich gerne hätte. Also suche ich mir das jeweilige Forum das grad auf mein Thema paßt. Wo ich weiß: da sind die Gefühle und auch die Erfahrungen mit diesen Gefühlen vorhanden.

    Sind meine Gefühle erstmal ausgelebt und verstanden gehts an die Sachlichkeit. Lese, wie andere damit umgehen, gucke, wie ich vielleicht anderen helfen könnte. Oft erschließen sich für mich eigene Wege, wenn ich über andere nachdenke und überlege, wie ich ihnen wohl helfen könnte. Mache mir Gedanken um die Gefühle an sich (ich kenne sie, sehe sie bei anderen) und darüber, wie man damit wohl jetzt am besten umgehen könnte. Schreibe meine Gedanken hierzu auf... schaue auf die Resonanz, habe auch gerne konstruktive Kritik oder andere Wege...

    Ich brauche immer die Interaktion mit oder die Resonanz von möglichst vielen Menschen, Meinungen, Gefühlen um bei mir selbst anzukommen. Mit spontanen Reaktionen und Resonanzen bin ich überfordert, weil ich da meist automatisch reagiere und oft erst hinterher die Chance habe, das ganze zu sortieren. Und der Rahmen der Resonanzen und Möglichkeiten auch relativ eingeschränkt ist. Wie sein Umfeld reagiert und tickt weiß man einfach irgendwann...

    So bietet mir das Internet ein grosses Maß an Resonanz und Information, sowie die notwendige Zeit und Ruhe die Dinge für mich selbst klar zu kriegen.