• Erfahrungsbericht: Für mich war der schlimmste Satz immer

    Gut gemeinte Sätze....
    Für mich war der schlimmste Satz immer: "Der Mensch lebt in der Erinnerung weiter".

    Von mir aus könnte man den Satz ersatzlos streichen.

    Der Mensch lebt nicht weiter... auch nicht in der Erinnerung. Er starb mit 38 und 38 ist die letzte Erinnerung die ich haben werde. Während ich 50 oder 60 oder 70 werde, bleibt er immer 38. Ich werde nie erfahren, wie er wäre, wenn er älter geworden wäre.

    Allenfalls lebt meine Erinnerung an den Menschen weiter, wobei "lebt" für mich einfach das falsche Wort ist. Weil an einer Erinnerung nichts lebendiges ist. Sie existiert nur noch im Kopf oder durch Worte. Das an was ich mich erinnere, das war lebendig - in dem Moment wo es passierte - und ab dem nächsten Moment ist es nur noch Erinnerung.
    Seit mein Partner starb, bin ich auch mit meinen Erinnerungen allein. Ich kann auch die Erinnerungen nicht mehr mit ihm teilen. Ich kann nicht mehr zu ihm sagen: "weißt du noch....".


    Ich kann jemandem davon erzählen, aber es ist nicht das gleiche, denn derjenige hat es nicht miterlebt. Naja, und wie es ist, wenn wir jemand anderem etwas erzählen, was der andere nicht miterlebt hat - in die Situation kann sich jeder in etwa reindenken. Das Gegenüber hängt nicht mit persönlichen Gefühlen in dieser Erinnerung. Es ist nur eine Erzählung...
    In Erinnerungen "schwelgen" ist meist nur dann schön, wenn man sie teilt mit demjenigen, mit dem man sie erlebt hat. Und so bleibt man mit den vielen, vielen Erinnerungen an den verstorbenen Partner genauso allein, wie im Leben danach ohne ihn. Es fehlt die zweite Hälfte und so fehlt genauso die zweite Hälfte der gemeinsamen Erinnerungen.

    Ich weiß nicht, ob ich es irgendwann schön finden werde, wenigstens noch Erinnerungen zu haben. Es sind jetzt 8 Monate seit seinem Tod vergangen und bislang lösen meine Erinnerungen an ihn meist nur eins aus: Schmerz !

    Jede Erinnerung tut weh, weil sie immer mit der Traurigkeit und dem Schmerz darüber verbunden ist, was nie wieder sein wird. Und am Ende jeder noch so schönen Erinnerung steht diese Traurigkeit und dieser Schmerz.

    Und eben weil jede Erinnerung Schmerz auslöst, insbesondere in der ersten Zeit, sind Sätze wie "Der Mensch lebt in der Erinnerung weiter", "Die Erinnerung bleibt" und ähnliche Sätze für mich in keinster Weise tröstlich. Ganz im Gegenteil, sie treffen bei mir genau den Punkt der weh tut.